Bayern Rundfahrt

Bayern Rundfahrt

Bericht von Basti Deckert

Fotos: Sebastian Schels & Mario Stiehl

Die Bayern Rundfahrt ist seit 2008 das ranghöchste deutsche Etappenrennen für Profi Radsportler. Das Ziel jedes bayerischen Radsportlers ist es, einmal an dieser Rundfahrt mit vielen internationalen Stars teilzunehmen.
Ein so großes Rennen durch das eigene Land ist an sich schon etwas Besonderes. Als ich Ende Dezember von meinem Radsport – Entdecker Stefan Lindemaier erfuhr, dass die Rundfahrt in diesem Jahr über den Schäftlarner Berg und die Olympiastraße direkt an meiner Heimatstadt München vorbei führt, war ich unglaublich euphorisch, aufgeregt und motiviert.

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Eine Einladung als Team für die große Schleife durch Bayern zu erhalten ist nicht leicht. Eine Mannschaft wie das Brandenburger LKT Team, für das ich nun in der zweiten Saison starte, benötigt für die Wildcard neben sehr guten sportlichen Ergebnissen und guten Beziehungen auch die Gunst des Veranstalters.
Als wir die Zusage für das Rennen Anfang Februar bekamen, trainierten wir gerade im Höhentrainingslager in Livigno auf Langlaufskiern. Diese Nachricht beflügelte uns in der harten Trainingszeit vor der Saison und sollte mir und meinem Team auch in schweren Phasen eine Menge Motivation geben. In der Zeit vor der Rundfahrt beschäftigte ich mich mit den Strecken und hatte besonders die 2.Etappe mit der Bergankunft auf der Winkelmoosalm und die 3. Etappe über 233 Kilometer vorbei an Schäftlarn und München im Blick.
Als wir endlich zur Teampräsentation nach Passau aufbrachen, war die Vorfreude schon sehr groß. Im Hotel angekommen, war uns endgültig klar, auf welch große Kaliber des Weltradsports wir treffen sollten. Am einen Ende des Restaurants sitzt der Olympiasieger und Weltmeister Fabian Cancellara, am Anderen der australische Sieger der Radsportmonumente Lüttich- Bastogne- Lüttich und Mailand San Remo Simon Gerrans, dazwischen der deutsche Außreißer - könig Jens Voigt mit dem ich in der Woche noch einige exklusive Kilometer abspulen sollte.

Bei der verregneten, aber dennoch sehr gut besuchten Teampräsentation trafen wir die anderen großen Teams wie Sky Procycling und AG2R La Mondiale, aber auch einige bekannte Gesichter und Freunde aus dem heimischen Team Heizomat oder dem Team Stölting. Im Zelt hinter der Bühne herrschte eine sehr gute aber auch angespannte Atmosphäre, denn für viele sollte die Bayern Rundfahrt das Saison Highlight werden. Als wir am Morgen aufwachten und aus dem Fenster schauten, war uns bereits klar, dass Bayern zum Start der ersten Etappe nicht seinen berühmten weiß-blauen Himmel zeigen würde. Bei 10 Grad und Regen sollten wir uns schließlich auf die 205 Kilometer lange Etappe von Vilshofen nach Freilassing machen.
Für das Rennen gab es verschiedene Optionen. Um auf die harte Option (alle fahren am Anschlag damit es nicht kalt wird) vorbereitet zu sein, zogen wir nur dünne Regenjacken an. Als sich jedoch nach wenigen Kilometern eine 3 köpfige Fluchtgruppe abgesetzt hatte, waren die meisten Fahrer damit beschäftigt, sich dicke Regenjacken aus den Begleitfahrzeugen zu besorgen. Von diesem Zeitpunkt an wurde das Rennen sicherlich aufgrund der Kälte und dem Regen recht moderat gestaltet. Wichtig ist es jedoch trotzdem die Spannung zu halten und auch immer wieder an das Essen und das Trinken zu erinnern. Denn obwohl wir recht langsam unterwegs waren, zieht die Kälte doch einige Körner. Am nächsten Tag stand für uns Fahrer die Königsetappe der diesjährigen Bayern Rundfahrt auf dem Programm: 164 Kilometern mit rund 3500 Höhenmetern im Berchtesgadener Land mussten absolviert werden. Zunächst sah es nach einem guten Tag aus. Es regnete beim Start nicht und die Temperaturen stiegen immer weiter an.

Nach wenigen Kilometern konnte sich wieder eine kleine Gruppe absezten. Im Feld kontrollierte das Team IAM des Führenden Heinrich Haussler das Tempo. Kurz vor Berchtesgaden begann es schließlich zu regnen. Der Regen sollte an diesem Tag leider unser ständiger Begleiter bleiben. Bei der Bergwertung der 1. Kategorie am Hochschwarzeck setzte sich die FDJ Equipe an die Spitze des Feldes und schlug ein so hohes Tempo an, dass das Peloton gesprengt wurde.
Ich fühlte mich zu diesem Zeitpunkt gut und konnte mit der ersten rund 50 Mann starken Gruppe über die Bergwertung und in die gefährliche Abfahrt fahren. Auf dem Flachstück im Anschluss schlossen weitere Fahrer auf, sodass das Hauptfeld nun aus ca. 90 Rennfahrern bestand.

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Die FDJ mit ihrem Kapitän Thibaut Pinot hielt das Tempo ständig hoch, sodass kaum Zeit zum verschnaufen blieb. Auf den letzten Kilometern vor dem Schlussanstieg entbrannte schließlich der Kampf um die guten Positionen. Da die Straße zur Winkelmoos Alm sehr schmal und im unteren Teil mit über 18 Prozent sehr steil ist, wollte jeder vorne hinein fahren. Das Tempo war gefühlt so hoch wie bei einem Massenspurt. Als wir in den Berg hinein fuhren merkte ich recht schnell, dass ich mit den Besten heute nicht mithalten kann und fuhr meinen eigenen Rhythmus. Am Ende erreichte ich mit drei Minuten Rückstand auf den Schweizer Sieger Mathias Frank entkräftet und enttäuscht das Ziel.

Neben dem Radsport habe ich noch wie viele andere Fahrer im Feld eine Leidenschaft für guten Café, Espresso und Cappuccino. Besonders bekannt für diese Passion ist auch der Kanadier Christian Meier im Dienst der Australischen Orica GreenEDGE Mannschaft. Auf der Etappe unterhielten wir uns über die neuesten Brühmethoden und Cafésorten. Er erzählte mir von den Spanischen Baristameisterschaften an denen er teilgenommen hatte. Am letzen Tag der Rundfahrt schenkte ich ihm einen Café aus München, den er zusammen mit dem Bergtrikot der Bayern Rundfahrt als Erinnerung mit in seine Heimat nahm.

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Trotz der großen Enttäuschung über meine eigene Leistung an der Winkelmoosalm war ich für den nächsten Tag hoch motiviert. Die 233 Kilometer lange Etappe von Grassau am Chiemsee nach Neusäß war für mich eine ganz besondere, da die Strecke nur wenige Kilometer an meinem Elternhaus in München vorbei führte.Nachdem es am Anfang der Etappe wieder die üblichen Attacken im Kampf um die Gruppe gab, konnte sich schließlich der Ausreißerkönig des Pelotons schlechthin Jens Voigt zusammen mit Tino Thömel absetzen. Kurz danach konnte ich mich mit einem Fahrer des spanischen Teams Caja Rujal ebenfalls vom Feld lösen und zum Spitzenduo aufschließen. Das Feld ließ uns gewähren und so war bald klar, dass es für uns ein langer Arbeitstag im Wind werden würde.

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Die Zuschauer am Straßenrand waren phänomenal. In Neubeuern feuerte einer Jens Voigt an, richtig Gas zu geben und zu „eskalieren“, worüber wir erstmal schmunzeln mussten. Trotz der mäßigen Mitarbeit des Kolumbianers aus dem spanischen Team wuchs unser Vorsprung bis auf max. sieben Minuten an. Im Feld kontrollierte das Team IAM des Gesamtführenden Mathias Frank das Tempo.

Das Highlight des Tages stand für mich nach 109 Kilometer an. Die Bergwertung in Schäftlarn kenne ich so gut wie keine andere. Bei nahezu jeder Trainingsfahrt komme ich dort vorbei. Als ich im Winter davon hörte dass die Bayern Rundfahrt genau dort vorbei führen sollte, wollte ich diese Bergwertung gewinnen. 200 Meter vor der Kuppe trat ich an und konnte vor dem Kolumbianer als erster meinen Hausberg überfahren. Dass mich viele Freunde und Bekannte angefeuert haben, hat mich wahnsinnig gefreut und ich war glücklich, mich auch vor ihnen gut präsentiert zu haben.

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Die Gruppe lief im Anschluss gut weiter, sodass wir unseren Vorsprung bei gut vier Minuten stabilisieren konnten. Ab Kilometer 190 machten hinten im Feld die Sprinter Teams ernst und versuchten das Loch zu uns zu schließen. Nach über 200 Kilometer an der Spitze war bei mir der Ofen aus. Ich konnte die Attacke von Jens nicht mehr mitgehen und wurde mit dem Kolumbianer knapp 20 Kilometer vor dem Ziel vom Feld geschluckt. Jens hat nochmal richtig aufgedreht und seinen Tempomat auf 50km/h eingestellt. Doch auch er konnte dem rasenden Feld irgendwann nicht mehr wiederstehen und wurde sechs Kilometer vor dem Ziel eingeholt.

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Bei einer so langen Flucht vor dem Feld bleibt natürlich nicht viel Zeit zum Reden. Irgendwann hat man sein Reisetempo erreicht und die Abläufe sind über Stunden immer die Selben. Vorne im Wind ordentlich in die Pedale treten, 500 Meter führen zur Seite raus gehen, die Kollegen mustern, Hinten möglichst kraftsparend in den Windschatten der Gruppe fahren. Auffällig war auch, dass niemand wirklich hinter unserem Columbianischen Begleiter fahren wollte, denn der war so klein, dass er einen miserablen Windschatten abgab. Meistens fuhr Jens Voigt hinter ihm, worüber Tino und ich natürlich zufrieden waren. Einige interessante Sätze wechselten wir in der Gruppe trotzdem Jens meinte, dass er nicht mehr so schnell wie früher die Abfahrten und Kurven fährt, da er schon 42 sei und Frau und sechs Kinder daheim hat. Da die Strecke jedoch durch mein Heimatgebiet ging und ich so gut wie jede Kurve kannte, sagte ich ihm, dass er mir vertrauen könne und ich die anderen bei tückischen Kurven darauf hinweisen werde. Nach anfänglicher Skepsis vertrauten mir meine Fluchtgefährten und so konnten wir sicher sein, dass wir in den Abfahrten und Kurven keine Zeit auf das Feld verloren hatten.

Am nächsten Tag stand das Einzelzeitfahren in Wassertrüdingen an.

Wenn ein Einzelzeitfahren auf dem Programm steht, bedeutet das vor allem für die Mechaniker Kuni und Falk viel Arbeit. Nachdem bereits am Abend die Zeitfahrmaschinen hergerichtet wurden, fuhren die beiden sehr früh los, um uns einen guten ruhigen Platz in Wassertrüdingen zu sichern. Wir Fahrer konnten dafür etwas länger schlafen und ganz gemütlich frühstücken. Als wir den Startort des 25,5 Kilometer langen Zeitfahrens erreicht hatten, gingen wir als erstes zum Vermessen der Räder. Weil die UCI auch in diesem Jahr wieder neue Regeln ausgegeben hatte, kann so eine Vermessung sehr interessant werden. An meinem Rad war zum Glück alles in Ordnung. Rund eine Stunde vor meinem Start setzte ich mich auf die Rolle und begann mit meinem Warmfahrprogramm. Kurz vor dem Start muss sich dann jeder Fahrer zum Einschreiben und der endgütigen Vermessung des Rades in einen geschlossenen Bereich begeben. Dort traf ich neben Fabian Cancellara, der zwei Minuten vor mir starten musste, auch Nikias Arndt, der früher viele Jahre bei LKT fuhr und jetzt bei Giant Shimano unter Vertrag steht. Mit Niki unterhielt ich mich noch kurz über die vergangenen Tage und meine Flucht mit Jens Voigt. Das Zeitfahren selbst lief für mich ok. Ich konnte eine gute Leistung trotz der letzten anstrengenden Tage abliefern. Eine überragende Leistung lieferte mein ehemaliger Teamkollege und guter Freund Jan Niklas Droste ab, der bei dem starken Feld in die Top Ten fuhr. Die Bayern Rundfahrt endete wie auch schon im Vorjahr in Nürnberg, wo wir noch 10 Schlussrunden á 5,2 Kilometer „Rund um die Nürnberger Altstadt“ absolvieren mussten. Als wir im Ziel waren war ich einerseits traurig, aber andererseits auch froh, dass die Anstrengung vorbei war. Wir hatten schlechte Tage mit viel Regen und Kälte, schöne Tage mit viel Sonne wie gestern beim Zeitfahren, aber vor allem hatten wir eine Menge Spaß und haben viel gelernt. Mit den Stars unseres Sports zu fahren und sich mit ihnen messen zu dürfen, war für unser Team ein großes Erlebnis das wir so schnell nicht vergessen werden.

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Zum Abschluss möchte ich auch einen großen Dank an die vielen tausend Zuschauer und Fans am Straßenrad aussprechen. Vor dieser Kulisse zu fahren hat dem Team um Willi, Stefan, Carl, Franz, Julian, Tobias und mir wahnsinnig viel Spaß bereitet. Es zeigt, dass der Radsport trotz der vielen vergangenen Skandale lebt und seine Faszination nicht verloren hat. Wir hoffen, dass die Begeisterung weiter zunimmt und die Popularität und Akzeptanz auch mit Hilfe der öffentlich rechtlichen Medien in Deutschland wieder wachsen wird.

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