BERLIN ROADGIRLS

BERLIN ROADGIRLS

„Ein Rad mit einer 105er dran kann ich keinem „Roadgirl“ mehr unterjubeln“

„Hobbyteams fürs Rennrad gibt es doch wie Sand am Meer. Für alle Leistungs- und Altersgruppen in sämtlichen Ausprägungen - doch leider nur für Männer. Wenn Frauen mit dabei sind, dann meistens als eine Art Anhängsel oder geduldete Randerscheinung. Und genau das wollen wir ändern. Wir möchten mit unserem Team andere Frauen in ganz Deutschland motivieren, endlich aufs Rad zu steigen und sich dem schönsten Sport der Welt zu widmen.

 

Wir wollen uns gemeinsam sportlichen Herausforderungen stellen und versuchen, bei verschiedensten Rennen unser Bestes zu geben. In der Gemeinschaft Spaß haben, sich gegenseitig unterstützen und selbstgesteckte Ziele erreichen – das zusammen macht für uns 100%.“ Dieses Credo der Berlin Roadgirls, das man auf der Team-Website www.berlinroadgirls.de lesen kann, steht genau dafür, warum wir diese Ausgabe der Bicicletta zum „Frauenheft“ gemacht haben. Grund genug also, sich das junge Frauenteam mal genauer anzuschauen. Angefangen hat alles mit einem Orga-Team-Job von Arianna "Ari" Dadaschi bei der Tour-Transalp 2010. Bis dahin hatte sich die Berlinerin noch nie für Radsport, Räder oder Rennen interessiert. Aber schon vom ersten Tag an änderte sich ihre Haltung. Sie interessierte sich plötzlich für das Rennen, nervte alle und jeden mit ihren Fragen zu deren Rädern, Kleidung, Ernährung, Vorbereitung und wie es Ihnen auf den Etappen ergangen war. Sie wurde mit einer völlig neuen Welt konfrontiert und war so fasziniert, dass sie – zurück in Berlin – allen und jedem davon erzählte. Auch auf der Geburtstagsfeier ihrer Mutter war sie – vielleicht lag es am ausgiebigen Sektempfang – wieder voll in Fahrt und schwärmte von der Bergen, dem Rennen und den Leistungen, bis es einem der Gäste zu dumm wurde und sie mitden Satz „Ari, komm endlich wieder runter. Du würdest so ein Rennen nicht mal mit fünf Jahren Vorbereitung schaffen“ einbremsen wollte. Da hatte er aber mit Ari die Falsche erwischt. Sie war sich sicher: Binnen zwei Jahren würde sie so fit sein, um die Transalp fahren zu können. Und um das auch zu untermauern, wurde sofort eine Wette daraus. Wetteinsatz: Eine Einladung ins schickste Restaurant der Stadt.

 

Die Vorbereitung startete bereits am nächsten Tag. Ari hatte natürlich kein Rennrad und so musste das alte Mountainbike herhalten um erst mal zu sehen, wie weit sie überhaupt auf einem Rad kommen würde. Die Strecken wurden länger, und über den Winter hatte sie sich ein strammes Laufprogramm verordnet, um dann im Frühjahr 2011 richtig durchstarten zu können. Sie kaufte sich ihr erstes Rennrad, eine BMC Racemachine, und trainierte darauf den ganzen Sommer. Schon am zweiten Tag fuhr sie ihre ersten 100 km. Für sie ein Zeichen des Erfolgs und, dass Rennradfahren genau das Richtige für sie war. 2012 wurde es ernst. Im Trainingslager auf Mallorca lernte sie Conny kennen, eine MTBFahrerin aus Stuttgart, die gerade ihr erstes Rennrad bekommen hatte. Die beiden verstanden sich so gut, dass nach den 10 Tagen Malle klar war: Wir fahren die Transalp zusammen! Dass ihre neue Teampartnerin zehn Wochen vor dem Start das erste mal auf dem Rennrad gesessenen war, schreckte Ari genauso wenig ab wie die 800 km und knapp 20.000 Höhenmeter, die es binnen des siebentägigen Etappenrennens über die Alpen zu bewältigen gab. Der Ende der Geschichte ist klar: Das Rennen meisterten die beiden ohne größere Probleme – die Wette war gewonnen. Und Ari voll angefixt vom Radsport.


Als Ari im nächsten Frühjahr 2013 mit Conny und deren MTB-Damenteam GIRLSRIDETOO.DE wieder auf Mallorca im Trainingslager war, kam das zweite „Erweckungs-Erlebnis“. Ari sah, wie motiviert die Mädels waren, wie hart sie trotzdem fahren konnten und dabei Spaß hatten – ein richtiges Team eben! Das wollte Ari auch in Berlin.


Sie hatte dort zwar die eine oder andere Trainingsgruppe, mit der sie fahren konnte, aber sie war immer nur „Anhängsel“, denn mehr als 2-3 Frauen waren nie dabei. Und immer nur alleine Fahren macht ja langfristig auch keinen Spaß. Also stand für die Moderatorin fest: Berlin braucht ein Frauen-Team.

02

Also streckte Ari ihre Fühler aus und fragte in ihrem mittlerweile beachtlich gewachsenen Bekanntenkreis aus Radsportlern herum nach Unterstützern für das neue Team. So entstand der Kontakt zum in Berlin lebenden Radprofi Henning Bommel, der auch sofort Feuer und Flamme für Aris Idee war. Er stellte die Weichen zu ein paar Gleichgesinnten her und spendierte den ersten Satz Trikots. Die Berlin Roadgirls wurden Wirklichkeit! Schon im ersten Jahr sorgte das Team bei einigen Rennen für Aufsehen. Nichtsdestotrotz soll es auch als Rennteam locker zugehen. Die Routen dürfen gerne schon mal „nach guten Bäckereien geplant“ werden, denn der Kuchen gehört für Ari und ihre Roadgirls genauso zu einer schönen Ausfahrt wie ordentliches Fahren in der Zweierreihe und ein Durchnittstempo jenseits der 30er Marke.


Ari managed das Team von Berlin aus, ihre Roadgirls sind aber über die ganze Republik verteilt. Oft ist es gar nicht so leicht, alle unter einen Hut zu bringen. Aber Ari und ihre acht Teammitglieder sind motiviert und fahren wo sie nur können mit. Sie wollen etwas für den Hobby-Frauenradsport in Deutschland tun. Es könne doch nicht sein, dass die Damen bei Rennen immer zusammen mit den Senioren starten müssen, weil es keine eigene Frauen-Startergruppe gibt, regt Ari sich auf. Und sie wollen Frauen zum Radeln bringen. Radfahren sei „Dolce Vita“ – Naturerlebnis, Freiheitsgefühl, Grenzenüberwindung.

03

Die Berlin Roadgirls wollen weit fahren und schnell fahren. Sie wollen dabei aber auch eine gute Figur machen und hinterher einen Kuchen essen.Und sie wollen den Frauen auch ein bisschen die Angst vor der Technik nehmen. Ari sagt, sie habe ein Jahr gebraucht um halbwegs zu verstehen, über was die Männer da reden, wenn es um Gruppen, Übersetzungen und alle anderen scheinbar essentiellen technischen Neuerungen ging. Und sie habe sich zwei Jahre nicht getraut das Hinterrad aus ihrem Rad zu nehmen – sie hatte ja keine Ahnung wie das Ding dann da wieder reingeht.

03

Dass es kein Hexenwerk ist einen Reifen zu wechseln oder auch mal eine Schaltung nachzustellen, hat sie nach und nach selbst gelernt. Jetzt weiß sie bestens Bescheid. Das Blöde ist nur – und das scheint geschlechterübergreifend zu sein –, dass, wenn man sich mal in den Radsport verliebt hat und sich etwas mit Rädern und Gruppen beschäftigt hat, man auch sehr schnell Begehrlichkeiten weckt. Ein Rad miteiner 105er dran brauche sie keinem ihrer Teammitgleider mehr anbieten, sagt Ari schmunzelnd. Für heuer ist der Rennkalender schon ziemlich voll. Natürlich sind die Berlin Roadgirls bei Ihrem Heimrennen, dem Velothon, gestartet, trotz garstigem Sauwetter, und gleich auf Platz 1 und 3 bei den Frauen gelandet. Ein großer Erfolg für die Mädels! Auch um den Kritikern zu zeigen, dass man ohne verbissenem Ehrgeiz ebenfalls sportlich erfolgreich sein kann. Ebenfalls auf dem Plan steht für einige der German Cycling Cup. Und Ari ist wieder zur Tour Transalp gemeldet. Diesmal mit Teampartnerin Alex von den Berlin Roadgirls. Im August wollen sich Alex und Mamba am Ötztaler versuchen, und im September tritt dann die Hälfte der Roadgirls beim Endura
Alpentraum an.


Dieser Rennkalender nötigt wohl jedem – egal ob Frau oder Mann – Respekt ab. Und es zeigt auch deutlich Aris Anspruch an sich und ihr Team. Es soll sehr sportlich Rad gefahren werden, das steht absolut im Vordergrund. Der Spaß und die Weiblichkeit sollen dabei aber nicht verloren gehen. Dass diese zwei Pole – und dann auch noch Job und Familie – gut unter einen Hut zu bringen sind, zeigen die Berlin Roadgirls schon jetzt. Und wir hoffen genauso wie Ari, dass noch viele Frauen ihrem Beispiel folgen und sich diesem schönen Sport widmen. Wie schnell der Funke überspringen kann, wie schnell man auf einen gutem Niveau Radsport betreiben kann und wieviel Spaß man dabei haben kann, zeigen Ari und
Ihr Team wirklich perfekt.

03


Bericht von Ralf Jirgens | FOTOS: ARIANNA DADASCHI & KERSTIN WINTERKAMP

Verlosungen

ADISTAR

Jersey & Bibshort Diese Radkombi hilft dir da...

Thule - VeloCompact

Der robuste, aber dennoch leichte Fahrradträger Th...

Erster Kufsteinerland Radmarathon – Startplätze zu gewinnen

Am 11. September 2016 fällt der Startschuss für d...

Sport & Wellness Hotel Cristallo am Levicosee

Das Valsugana ist ein sonniges Tal im Südosten de...

Biciclettakombi by Maloja

Bicicletta Trikots