CLAUDIA HÄUSLER

CLAUDIA HÄUSLER

ICH LIEBE ES RENNEN ZU FAHREN

Claudia Häusler ist 28 Jahre jung. Sie ist in Wolfratshausen aufgewachsen, lebt derzeit in München, wo sie an der Technischen Universität Maschinenbau studiert. Sie trifft sich gern mit Freunden, liebt die Isar und die Wiesn. Eigentlich ein ganz normale Studentin über die keine Artikel in Rennradzeitungen erscheinen müssen. Aber Claudia führt noch ein anderes Leben: Sie ist Rennradprofi. Fährt aktuell für das Team Giant Shimano und ist eine der erfolgreichsten Damenradsportlerinnen der vergangenen Jahre.

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Claudia hat den Giro d’Italia, die Tour de l’Aude, den Giro della Toscana, mehrere Deutsche Meisterschaften und unzählige Etappen bei den großen Damenrennen gewonnen. Sie fuhr unter anderem für die Teams Equipe Nürnberger, Cérvelo Test Team, Green Edge und das amerikanische Team TIBCO. Ihre Ergebnisliste ist so lang, dass man das Rädchen an der Maus schon einige Male drehen muss, um alles über den Bildschirm laufen zu lassen. Und trotzdem spukt Google nur eine Hand voll Artikel aus, wenn man „Claudia Häusler“ eingibt. „Natürlich sei das manchmal bitter“, sagt Claudia dazu. Schließlich sind die Berge genauso steil und die Etappen ähnlich hart wie bei den Männern. Aber das sei einfach der große Unterschied zwischen Damen- und Herrenradsport. Ja vielleicht sogar zwischen Damen und Herrensport allgemein.

Sie könne damit ganz gut leben und es sei ihr manchmal sogar lieber, nicht erkannt zu werden. „Ungerecht“ sei dafür auch das falsche Wort, „schade“ finde sie passender. Schließlich trainieren die Damen genauso viel wie ihre männlichen Kollegen. Bei Claudia sind das ca. 20.000 Trainingskilometer pro Jahr. Dazu kommen dann noch circa 5.000 Rennkilometer. Wenn man das mal auf’s Jahr hochrechnet, sitzt Claudia also durchschnittlich 68,5 Kilometer jeden Tag im Jahr auf dem Rad. Ein Glück, dass Sie wirklich noch Spaß daran hat. An den Trainingskilometern rund um München, bei denen sie sich schon manchmal einen Spaß mit ambitionierten Hobbyfahrern macht die meinen, sie könnten sich im Windschatten halten. Man(n) sieht es ihr einfach nicht an. Natürlich sind ihre Räder immer „Top of the Line“, aber, wegen den Gewichtsvorgaben der UCI, kaum von einem teuren Rad aus dem Fachhandel zu unterscheiden. Klar fährt sie in Teamklamotten, aber die kann man auch überall kaufen. Klar ist sie austrainiert und klar sieht man aus ihrer Haltung auf dem Rad, dass sie das nicht nur ab und zu macht, aber jeder Hobbyfahrer, der in und um München seine Runden dreht und schon mal das Glück hatte sie zu treffen und eventuell versucht hat, ihr dann am Berg zu folgen, bekommt den Leistungsunterschied zwischen Profi und Hobbyradler mehr als deutlich demonstriert. Berge und Tempoverschärfungen seien einfach ihr Ding!

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Wie kann es dann aber sein, dass eine so sympathische, hübsche und erfolgreiche Sportlerin nicht mehr im Rampenlicht steht? Der deutsche „Sportfan“ braucht ja immer „Helden“ – sei es Franziska van Almsik, Steffi Graf, Magdalena Neuner. Dann wird ein Sport für eine gewisse Zeit „in“ und jeder kennt die Protagonisten. Claudia hätte sicher das Potential, aber leider ist es halt zur Zeit mit demöffentlichen Interesse an Radsport – und das trifft dann auch den Frauensport, der ja erfahrungsgemäß leider immer hinter dem „Männersport“ rangiert – nicht weit her.

Schade eigentlich! Denn es sind große Rennen. Es ist großer Sport was die Damen abliefern. Claudia kann sehr gut mit diesem Zwiespalt und ihrem Doppelleben umgehen. Sie liebt einfach den Sport. Sie liebt die taktischen Spiele während den Etappen, die langen Bergfahrten, das „an die Grenzen gehen“. Sie liebt es aber auch, unerkannt in der Münchner Innenstadt zum Shoppen gehen zu können.

Aktuell trainiert sie zuhause in München. Sie liebt die kleinen Straßen im Süden von München und rund um Ihren Heimatort Wolfratshausen. Wenn man sie nach den Zielen für diese Saison fragt, kommt zuerst mal – nach einem Schweren Sturz 2010 – eine sturz- und verletzungsfreie Saison zu fahren, beim neuen Team einen ähnlichen „Spirit“ zu finden wir damals bei Cervelo und natürlich das eine oder andere Rennen zu gewinnen.

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Wir wünschen Claudia alles Gute für die Saison und werden sicher nie wieder versuchen, ihr am Berg hinterherzufahren.

 

FOTOS: H. A. ROTH-FOTO | Archive Häusler TEXT: Ralf Jirgens

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