ALTA BADIA

ALTA BADIA

Das gelobte Land der Radfahrer

Fotos: Freddy Planinscheck | Paola Finali

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Gibt es ein Hotel, in dem die Weinflaschen tanzen? Bei dem Blütenblätter in der Toilette schwimmen? In dem man sich in mehreren verschiedenen Restaurants mit dem Besten, was die südtiroler Küche zu bieten hat, verwöhnen kann? In dem der Seniorchef eine riesige Sammlung an Vespas und Fiat 500 in der Tiefgarage hat? In dem das original Tour de France Siegrad von Bradley Wiggens hängt? In dem es eine eigene Pinarello Lounge gibt und in dem man mit dem Chef die Sella Ronda fahren kann? Ja das gibt es und es steht im gelobten Land aller Radsportverrückten: Das La Perla in Corvara, Alto Adige, Italien.

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Wenn man Rennradfahrer ist, rasierte Beine hat und dem italienischen Lebensstiel nicht abgeneigt ist, gehört es sicher ganz weit oben auf die To-Do Liste, einmal die Sella Ronda zu fahren. Diese schon fast mythische Runde über die vier Alpenpässe Grödner Joch, Passo Campolongo, Passo Pordoi und Passo Sella. Die Strecke ist etwa 52 Kilometer lang und es sind ca. 1650 Höhenmeter zu bewältigen. Nichts, was den geübten Ciclisti vor größere radsportliche Probleme stellt, aber aufgrund der beeindruckenden Aussichten und der Schönheit der Natur einfach ein absolutes Highlight. Nicht umsonst wurden die Dolomiten 2009 wegen ihrer einzigartigen Schönheit von der UNESCO zum Welterbe erklärt.

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Wir waren letzten Herbst für ein paar Tage dort und waren wieder einmal von den verschiedenen Touren, der Gastfreundschaft und dem kulinarischen Verwöhnprogramm beeindruckt, das von einfach gutem Espresso bis zum ausgefallenen ladinischen Gourmetmenü reicht.

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Am ersten Tag waren wir mit dem Guide vom Hotel La Perla verabredet. Unsere Ansage, dass wir den Weg rund um den Sella Stock wirklich allein finden würden, wurde dabei mit freundlicher Höflichkeit übergangen. Der Chef selbst wollte mit uns eine kleine Runde fahren und so dem Shoppingausflug nach Bozen entgehen. Eine klassische Win-Win Situation: Wir hatten einen ortskundigen Guide mit dabei, der zu jedem Ort, jedem Anstieg und jedem Streckenkilometer interessante Anekdoten zu erzählen hatte und er konnte sich bei seiner Frau auf seine Hotelchefpflichten berufen und so dem Einkaufsbummel entfliehen. Natürlich startet in Italien jede Rennradrunde erst einmal an der Bar. Ohne einen "Cafe" steigt der gepflegte Ciclisti ja gar nicht erst auf´s Rad. Danach wurden uns die neuesten Pinarello Dogma verpasst, denn es sei doch schöner für´s Auge, wenn alle auf den gleichen Rädern fahren. Das ist einfach Radkultur á la Italia!
Die Sella Ronda stellt wie gesagt niemanden vor große Herausforderungen. Sie ist aber die ideale Tour, um ein Radwochenende in den Dolomiten zu beginnen. Es empfiehlt sich auch, die Runde unter der Woche anzugehen, am Wochenende drängen sich Ausflügler, Motorradfahrer und Busse aus ganz Europa auf der wunderschönen Rundstrecke.

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Für den zweiten Tag haben wir uns ein Teilstück des legendären "Marathona dles Dolomites" vorgenommen. Leider lässt die angekündigte Wetterbesserung noch einen Tag länger auf sich warten und wir müssen dick eingepackt vor unserem Hotel starten. Wir sind inzwischen ins Melodia del Bosco umgezogen. Ein reines "Bikehotel" mit einem ähnlich radverrückten Chef. Peter hat auch gleich noch ein paar Freunde eingeladen mit uns zu fahren. Locker geht es also von Badia Richtung Corvara und über den Compolongo. Diesmal zweigen wir jedoch in Arabba links ab und fahren nach Pieve. Leider macht der Himmel immer weiter zu und es beginnt auch leicht zu tröpfeln. Leider haben wir den Abzweig in Pieve - mit dem wir die Runde deutlich verkürzen hätten können –schon lange passiert und es bleibt uns fast nichts mehr anders übrig als den Passo die Giau in Angriff zu nehmen. Anfänglich schlängelt sich die Straße wunderschön durch das Tal, immer wieder überqueren wir dabei einen Fluss und wir gewinnen auf angenehmer Steigung schnell an Höhe. Als wir dann circa5 km vor der Passhöhe die Baumgrenze hinter uns lassen, wird es schnell sehr ungemütlich. Der Wind frischt auf und der leichte Regen geht in Schneefall über. Oben am Berghotel Passo Giau haben dann auch heißer Tee mit Zitrone und der Heizlüfter auf der Toilette Hochkonjunktur. Keiner will raus, keiner will die nun anstehende Abfahrt in Angriff nehmen. Lieber noch einen Caffé oben drauf und auf das Wunder hoffen, dass die seit Tagen angekündigte Wetterbesserung in den nächsten Minuten einsetzt und sich die Temperatur auf italienwürdige Plusgrade schwingt. Wie heißt es so schön: die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber diesmal stirbt sie einen grausigen, kalten Tod. Bei Minus 3 Grad, natürlich mit viel zu wenig Klamotten an, geht es dann irgendwann doch vor die Tür und Notgedrungen auch aufs Rad. Bizarre Situation – jeder hofft nur, dass die Abfahrt schnell vorbei ist und wir in Kürze den Anstieg zum Passo Falzarego erreichen. Die Temperaturen drücken auch deutlich auf die Stimmung. Jeder radelt stumm vor sich hin. Die einzigen Gespräche drehen sich um Kilometerangaben und Höhenmeter. Man rechnet: ‚Wie weit noch? Wo einkehren? Hab ich noch genug Wechselklamotten? Wie wird die Abfahrt nach San Cassiano?' Die Gruppe zerreißt in mehrere Teile. Die einen kehren dann unten am Abzweig zum Valparola, die anderen oben im Kriegsdenkmal und eine weitere Splittergruppe im Refugio an der Passhöhe ein. Einen letzten Tee, dann noch den üblichen Caffé und wieder hilft es nix. Raus, drauf auf den Bock und mit klammen Fingern die ersten Kurven angesteuert. Dass mittlerweile Schneematsch auf der Straße liegt, passt da irgendwie ins Bild. Gott sei Dank, vernichten wir schnell ein paar Höhenmeter, es wird deutlich "wärmer" und das Ziel der Tagesetappe rückt auch deutlich näher. La Villa, Badia, unser Hotel und ab in die Badewanne. Als wir uns später zum ladinischen Abendessen in der neu eröffneten Stüa dla La im Hotel Gran Ander treffen, sind alle schonwieder guter Dinge. Der Himmel ist mittlerweile auch blau und der Schnee auf den umliegenden Berggipfeln – den wir nachmittags so verflucht haben – gibt der ganzen Bergkulisse eine fast Postkarten kitschige Anmutung. Nach einer kräftigen Gerstensuppe, ein paar Schlutzkrapfen und einem guten Stück südtiroler Almochsen besprechen wir schon wieder voller Elan die Runde für den nächsten Tag.

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Da die von Peter vorgeschlagene Würzjochrunde einige in unserer Gruppe – speziell nach den Strapazen des Vortages – abschreckt, machen wir kurzerhand zwei Gruppen auf. Bis zum Grödnerjoch fahren wir noch alle zusammen, dann biegen wir rechts Richtung Wolkenstein ab. In rasender Fahrt und bei heute sehr angenehmen Temperaturen, machen wir schnell Kilometer und erreichen zügig unseren Abzweig Richtung San Pietro. Dort biegen wir abermals rechts ab und finden uns auf einer kleinen Straße wieder, die uns mit unglaublichen Ausblicken ins Eisacktal und auf die gegenüberliegende Bergkette zwischen Rittner Horn und Kassianspitze blicken lässt. Südtiroler Berge in ihrer schönsten Form. Nach einer halsbrecherischen Abfahrt erreichen wir Gudon, um dort ins Villnösstal einzubiegen. Nach den extrem steilen Passagen in und nach S. Pietro windet sich die Straße wieder wunderschön an den Südhang auf ein herrliches Hochplateau am Fuße der Plose. In endlosen Kurven schlängelt sich die Straße auf das Würzjoch zu. Kühe links, die wilden Spitzen der Fanes Gruppe rechts, eine mäßige Steigung und ein Rifugio an der Passhöhe, auf dem drei hungrige Radfahrer mit 50 EUR drei Portionen Nudeln, die dazugehörigen Getränke und natürlich den obligatorischen Caffé glücklich werden. Oh bella Italia.

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Auf der Abfahrt Richtung San Martino in Badia zeigt uns unser Local noch ein paar schöne Abzweiger, auf denen wir den eh schon wenigen Verkehr komplett entfliehen und auf Versorgungswegen über Wiesen, durch Wälder und durch kleine Weiler dem Tal entgegenrollen. Die restlichen zehn Kilometer bläst uns zwar dann noch ein kräftiger Wind ins Gesicht, den wir aber – das Ziel und das finale Radler schon fest vor Augen – einfach wegdrücken.

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Und wieder stellt sich, nachdem wir schnell vom Radler zum "Achterl Roten" gewechselt sind, das Gefühl ein, hier in den Dolomiten dem Rennradparadies schon sehr nahe zu sein: unglaubliche Natur, schöne Straßen, Pässe in jeder Länge und Steigung, schöne Hotels, nette Menschen, Autofahrer, die auf uns Rennradler Rücksicht nehmen (zumindest die Einheimischen), gutes Essen und ein sensationelles Preis-Leistungs-Verhältnis. Und natürlich immer einen guten Caffé!

Text: Ralf Jirgens

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