30 Jahre "Gel"

30 Jahre "Gel"

JÖRG LUDEWIG:
"Das Squeezy Gel ist richtig gut. Pur. Verdünnt in der Flasche. Als Brotaufstrich – oder sogar im Haar – immer stark"

1993 beobachtete er beim damaligen Ironman Europe in Roth zum ersten Mal einen Athleten dabei, der, zusätzlich zu den üblichen Iso-Getränken, Riegeln und Bananen, "irgendetwas aus einer Tüte nuckelte". Recherchen ergaben, dass es sich dabei um ein Produkt der in Südafrika beheimateten Firma Leppin handelte. Obwohl es sich nach Aussage vieler um einen echten Ladenhüter handelte, war er von dem Erfolg dieser klebrigen Tütennahrung überzeugt. Trotz fehlender Unterstützung durch seine Hausbank und entgegen allen Ratschlägen seiner Freunde erwarb er sich die Rezepturen sowie die weltweiten Namens- und Vertriebsrechte. Die Rede ist von Roger Milenk und Squeezy.

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Bereits ein Jahr später gab es nach intensiven Untersuchungen durch Institute, endlosen Diskussionen mit Ernährungswissenschaftlern und zahlreichen Änderungen in der Zusammensetzung die Energie in Tüten in Deutschland zu kaufen.

Als 1994 das erste Energie-Gel in Deutschland auf den Markt kam, wurde es zunächst unglaubwürdig beäugt, aber dann schnell akzeptiert. Squeezy nutzten anfangs vor allem Triathleten und Läufer im Wettkampf – mit dem flüssigen Energiekonzentrat konnten sie sich endlich schnell und unkompliziert versorgen. Squeezy wurde so beliebt, dass der Name zum Synonym für den Begriff "Energie-Gel" wurde. Doch wie bei jedem erfolgreichen Produkt fanden sich schnell Nachahmer, und heute gibt es ein großes Angebot an Gels aller namhaften Hersteller von Sporternährung.

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Es gab wilde Geschmacksrichtungen und teilweise waren die Gels so süß, dass man mehr als die empfohlenen 200ml Wasser brauchte um den süßen, klebrigen Geschmack wieder aus dem Mund zu bekommen. Und nicht selten war es eine wahre Gewissensentscheidung – nehm ich noch ein Gel oder sterb ich lieber den Heldentot am Berg. Jeder, der schon mal Pfefferminz-Gel probiert während eines Rennen genommen hat, weiß, dass es sehr, sehr viel Kilometer braucht, um den Geschmack wieder aus dem Mund zu bekommen.

Der Vorteil lag aber auf der Hand: Um im intensiven Training und Wettkampf alles geben zu können, sollte auch während des Sports dem Körper immer wieder Energie zugeführt werden, bis zu 90g Kohlenhydrate pro Stunde. Die Gels waren perfekt um sie während des Rennens schnell zu sich zu nehmen, weil man sie nicht kauen muss. Jeder, der schon mal bei niedrigen Temperaturen versucht hat einen Carbo-Riegel zu verzehren, weiß, dass man dabei schnell so viel Energie mit der Gaumenmuskulatur verbrennen kann, wie man durch den Riegel zu sich nimmt.

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Foto: TVB Tannheimer Tal

Die Gel-Packungen verfügen über eine genau dosierte Ladung an speziellen Kohlenhydraten. Im Wesentlichen sind dies Oligosaccharide, so genannte Mehrfachzucker, die der Organismus erst in Einfachzucker aufspalten muss, darunter Glucose, den eigentlichen Energielieferanten. Die Zuckerzufuhr läuft somit nicht sprunghaft, sondern konstant und dosiert ab. Das unterscheidet die Gels auch vom guten alten Schokoriegel: Der enthält herkömmlichen Industriezucker. Der geht jedoch direkt ins Blut und verursacht unter Belastung eine übermäßige Ausschüttung an Insulin. Das haut aber den Blutzuckerspiegel in den Keller, was zu einem Hungerast führen kann.

"Anfang der 80er Jahre wird SQUEEZY als weltweit erstes Energie-Gel von dem Forscherteam um den Professor und begeisterten Marathonläufer Timothy Noakes in Südafrika entwickelt."

Mittlerweile sind die kleinen Packungen beim Radfahren nicht mehr wegzudenken. Jede Radveranstaltung hat einen Sponsor, der die Teilnehmer mit Getränken, Gels und Riegeln versorgt. Bei den Profis dürfen sich die Fahrer vor dem Start der Etappe beim Stand des Sponsors für die anstehenden Rennkilometer eindecken. Es gibt Ernährungsempfehlungen, wann man was trinken, essen oder sich in den Mund drücken sollte. Die Räder der Hobbyrennfahrer sind manchmal so mit Gelpackungen zugeklebt, dass man das Oberrohr nur noch erahnen kann.

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Foto:Dirk Ostertag

Ein Siegeszug? Gewiss! Auch wenn die meisten Rennveranstalter mittlerweile mit dem Müll, den unachtsam weggeworfene Gelbeutel verursachen, zu kämpfen haben. Aber auch hier haben die Hersteller reagiert: Früher war ein Trikot schnell mal ruiniert, wenn man das "ausgezutzelte" Gel wieder brav im Trikot verstaute. Mittlerweile gehen auch die extremsten Farben wieder raus und die meisten Hersteller bieten – ökölogisch sinnvoll - Refill-Flaschen bzw. Tuben an.

Ob das mit der neuesten Kreation aus dem Hause Squeezy – dem Tomatengel – auch so ist und ob der Geschmack uns auch eher vom Rad haut als uns den Berg hochzubringen, werden wir spätestens beim nächsten Marathon rausfinden, wenn wir mal wieder nix süßes sehen kann.

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Foto: BiciclettaDaCorsa

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