Riderman 2012

Riderman 2012

BATTLE FORPOSITION

RENNBERICHT VON FRANK SCHWEINHEIM

Für die German Cycling CupKlassementfahrer war der Riderman das größte und das vorletzte Event des Jahres.

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Foto: Stephan Sieber/sportograf.com

Wer hier gut fuhr, konnte sich Chancen auf eine vordere Gesamtplatzierung der Serie ausrechnen. Wer fehlte, würde nach hinten durchgereicht werden.
Dementsprechend waren viele Jedermänner und eine stetig wachsende Anzahl von treuen Startern nach Bad Dürrheim gekommen. Das kommt durch die sorgfältige organisatorische Arbeit über Jahre, die Schönheit der Strecken und das Flair, das durch ca. 750 Radrennfahrer in dem kleinen Kurort jedes Jahr entsteht.

Ich hatte mich in den letzten Wochen gut aufbauen können und auch das Zeitfahren diesmal etwas trainiert. Materialmäßig konnte ich mich durch ein gebrauchtes preiswertes Zeitfahrrad und die Mark 1 Laufräder von einem Mannschaftsgenossen aufrüsten. Die Strecke kannte ich schon vom Vorjahr, doch diesmal war ich vorab beruflich in der Gegend und konnte sogar auf der Strecke trainieren.

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Tag 1 Zeitfahren
Zu lange gearbeitet, zu spät losgefahren, aber immerhin noch 20 Minuten auf der Rolle warmgefahren, so ging ich an die Rampe. Ich wurde sofort aufgefordert zu starten, weil wohl einige fehlten. Vor mir ein muskulöser Zeitfahrer mit feinem Equipment und Zipp-Scheibe. Ein kurzer Gedanke: "Da orientiere ich mich mal dran." Dann, als er startet, pures Erstaunen mit der Tendenz zu Entsetzen. Der Mann fährt die Rampe runter, als wenn er 100 Meter sprinten wollte. Zisch, dann ist er weg. Schon tickt mein Countdown, ich komme kaum in die Pedale da läuft die Zeit schon und ich eiere wie gewohnt die Rampe herunter. Gott sei Dank ohne zu stürzen: Ein kleiner Schritt für die Menschheit aber eine heikle Situation für mich, auf meinem neuen Rad mit den teuren Mark 1.
Im Flachen beschleunige ich, doch ich kann meinen Vorfahrer nicht mehr sehen. Verschwunden? Steht er schon erschöpft am Straßenrand? Ich erreiche meine Zielherzfrequenz von 176 nach 30 Sekunden, dann 180 und ich muss mich schon vor der ersten Kurve nach 1 km drosseln. Die Hirschhalde herauf wieder ein interessierter Blick. Die Zipp-Laufräder sind schon oben im Wald und er hat einen Fahrer überholt.
Ich muss auf das kleine Blatt und kurbele mir einen ab wie ein Goldhamster im Laufrad. Oben habe ich den ersten und auf der Kuppe sogar den zweiten Fahrer überholt. Es fahren sehr viele mit Rennrädern auf der Strecke und es sind auch ältere, langsamere Fahrer dabei. Genießer oder Finisher.
Die Mark 1 laufen gut aber bei dem Gegenwind läuft es nicht wirklich rund. Auf der Rückfahrt komme ich erst in Fahrt und beim zweiten Überqueren der Kuppe kann ich richtig treten. Am Schluss habe ich eine 24er Zeit, weit hinter dem Sieger aber ich glaube für mich war das so ziemlich alles, was an diesem Tag ging.
Der Riderman ist stark besetzt und die Regeln sind "Englisch". Das heißt, jeder, ob Mann oder Frau, wird nach seiner Zeit am Folgetag eingereiht. Dann gibt es nur Bruttozeitmessung.
Das heißt, wer am ersten Tag ein blaues Auge bekommt, muss am nächsten Tag Gas geben um noch mal nach vorne zu kommen. Die Sieger bei den Herren bleiben im Bereich von 21 Minuten und Martina Höllige gewinnt in einer 23er Zeit. Das ist etwas, was tief beeindruckt wenn man selber gestartet ist.

 

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Foto: Stephan Sieber/sportograf.com

Tag 2 Das erste Straßenrennen
Der Morgen verläuft hervorragend. Entspanntes Kaffeetrinken, denn der Start ist erst um 15.00 Uhr. Gegen Mittag regnet es sich ein und wir starten bei 10°C und leichtem Dauerregen. Die ersten 3 Kilometer bis zur Kuppe der Hirschhalde wird eine Bergwertung ausgetragen. Deshalb geht es in maximalem Tempo los und Oben haben sich die ersten 50 schon abgesetzt. Erst im nächsten Ort sind wir wieder dran. Doch es wird nicht langsamer, sondern der nächste langgezogene Das Spitzenfeld besteht aus vielleicht 150 Fahrern und zieht sich langsam auseinander. Ich habe dieses Jahr häufiger den Eindruck gehabt, dass da vorne keine Mannschaft das Tempo macht, sondern, eine Gruppe von Wikingern, die ihre Galeere am Berg antreibt. Wenn die einmal in Fahrt ist, kommt man auf eine Welle und surft mit. Dahinter gibt es nur Verwirbelungen und einer nach dem anderen treibt ab.
Die Straße ist naß, rutschig und dreckig. Man eiert unglaublich durch die Kurven. Der Sturz eines Fahreres, der aber direkt an einem Misthaufen glimpflich endet, reicht aus, um ein Loch ins Feld zu reißen. Das zufahren ist sehr anstrengend, und am nächsten Berg rächt sich das. Wir werden langsam abgehängt. Der Berg ist nicht steil aber lang. Dann hat ein Fahrer von Merkur Druck einen Platten. Er bekommt Hilfe von einem Teamkameraden und dem Motorrad welches Ersatzlaufräder mit sich führt. Starker Service, der Beste bei deutschen Jedermann Rennen, den ich kenne.
Als der Merkurfahrer von hinten auffährt, springe ich mit ihm in die nächste Gruppe am Berg. Er zieht wenige Kilometer weiter nach vorne und ich bleibe bei den Jungs, die stark genug sind um durchzufahren.
Dieser kleine Sprung in die nächste Gruppe bringt letztendlich eine große Verbesserung im Endresultat. Niemand kann uns einholen bei diesem Tempo.
Die Fahrt über die schmalen Feldwege wird immer rasanter und ich werde ausgelassener. Bis mich ein anderer Fahrer vor einer Abfahrt warnt: Tatsächlich, da wäre ich geradeaus in den Hühnerstall gerast. Danke!
Am letzten Berg wird unsere Gruppe doch noch gesprengt und ich erreiche in unserer Splittergruppe weit vorne nach langegezogenem Sprint einen 88. Platz.
Bei der Fahrt zum Hotel begegne ich zwei Freunden, denen man ansehen kann, dass sie unter der Kälte und der Strecke sehr gelitten haben. Riderman könnte auch sowas sein wie eine Schlacht in Wales oder Schottland.

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Tag 3 Frische Gegner durch Tagesstarter
Nebel in den Schwarzwälder Hochebenen und Kälte. Ich beginne die Aufwärmung auf der Rolle, packe alles zusammen, checke aus dem Hotel und dann haben wir 10.45 Uhr. Wie immer spät geworden.
Der Start mit der Pistole ist irgendwie unpassend. Besser wären Jagdhörner. Denn die Hatz beginnt sofort und als wir aus dem Ort heraus sind, ist das Fahrerfeld langgezogen und 200 Mann sind vor mir.
Durch die Tagesstarter am Sonntag ist hier nicht von langsamem Angehen die Rede. Die Galeere wird sofort wieder angetrieben und wir fahren auf der ersten Geraden zuerst 45, dann 50, dann 55. Endlich erreiche ich das Auge des Zyklopen wo man ruhiger und konstanter mitrollen kann. Am ersten Berg werden wir leicht abgehängt und die Aufholjagd ist länger als erwartet. Ich danke einigen Jungen Fahrern vom Team Sonosan für ihre ambitionierten Führungen. Dann kommen die weiteren Steigungen und die Gruppe ist sofort wieder auf Verjüngungskurs. Platz um Platz wird hier das Klassement ausgefahren. Ich bin an einem elendig langen Berg der Letzte der Ersten, als mich die Schiedsrichter und Materialwagen überholen. Ein Blick nach hinten und mir wird klar, ab jetzt wird's einsam und windig werden.
Die Schiedsrichter warten solange bis eine schöne Lücke zwischen mir und der Spitzengruppe entstanden ist und zischen dann vorbei, ohne Windschatten zu geben.

Franco Adamo fährt in seinem Luxusteamfahrzeug an mir vorbei. Daumen hoch, meint er. Einen Fahrer hole ich ein. Er kann nicht führen, kommt aber mit. Irgendwie ist das inspirierend und ich versuche die Spitze einzuholen. Zweimal bin ich fast am Ende der Autokolonne, als die Schiedsrichter komplett abbremsen. Ich muss vorbei in den Wind, nächste Abfahrt und die Spitze ist wieder 500m weiter entfernt. Als ich nach 20 Minuten die Spitze einhole muss ich mich sehr beherrschen, um nicht beim Jury Auto an zuhalten und mich zu bedanken. So strikt habe ich das noch nie erlebt - aber ein gutes Zeitfahrtraining war's allemal. Nächster Berg nach kurzem Rollen in der Gruppe, wieder Ebbe in den Beinen. Aber ich werde belohnt, denn nun sitze ich in einer 8-Mann Gruppe. So ist das Bergfahren einfacher und im Flachen kann man sich erholen. Immer wieder kommen schwere Berge und ein paar Bergziegen fahren offensiv so, dass ich mit zwei Rollern an einer Steigung fast abgehängt werde. Schließlich halten wir die Gruppe aber doch, obwohl diese nun 30 Mann umfasst, weil viele von vorne nach hinten fallen. Die Gruppe ist sehr stark und niemand kommt da mehr weg bis zum Ziel.
Im Sprint wird etwas ungelenk um die Plätze kämpft – so als würde ein BDR-Funktionär den Zielsprint organisieren...

Ohne Sturz und total erledigt stehen wir im Ziel, nach drei Tagen. Die Fahrer um mich herum haben wiederum ein hohes Niveau bewiesen, man kennt sich mittlerweile. Sonntags waren ein paar wilde Tagesstarter aus den Bergen dabei, aber es ist gut gegangen. Vor uns mal wieder die Jedermann-Elite, die deutlich stärker war. Ich hatte am zweiten Tag gedacht, noch weiter nach vorne zu rutschen, aber daraus wurde nichts und ich bleibe so um die 90 im Gesamtergebnis. Da sind 18 Minuten Rückstand über drei Tage zusammengekommen. Besonders am 3. Tag habe ich eine ordentliche Packung von 8 Minuten bekommen.

Zum Schluss bleibt unser Team im Mittelfeld hinter den anderen Spitzenteams zurück. Ein schönes Mannschaftsergebnis zum Ende meiner Zeit mit dem team cycle-basar.de.

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Foto: Stephan Sieber/sportograf.com

Ich denke dieses Etappenrennen war viel schwerer zu beenden als man denkt: Drei Tage Landluft, 54er Blätter, Regen, Kälte und ein unbarmherziges Starterfeld. Riderman eben.

Info Box:

Rothaus RiderMan 27. – 29.09.20133
Rennen an drei Tagen

1. Einzelzeitfahren am Freitag, 27. September 2013:
1. Etappe Rothaus RiderMan Tour // auch fürTagesstarter 16,0 km / 200 hm über welliges Terrain Startzeiten zwischen 14.00 und 18.30 Uhr
2. Straßenrennen am Samstag, 28. September 2013:
2. Etappe Rothaus RiderMan Tour // keine Tagesstarterca. 82,0 km / 1.000 hm über hügeliges und abwechslungs-reiches Terrain der BaarStartzeit: 15.00 Uhr (erforderliche Durchschnittsgeschwin-digkeit 25 km/h)
3. Straßenrennen am Sonntag, 29. September 2013:
3. Etappe Rothaus RiderMan Tour // auch für Tagesstarter ca. 86,0 km / 1.050 hm über hügeliges und ab-wechslungsreiches Terrain der Baar mit einem Abstecherin die wunderschöne Wutachschlucht Startzeit: 11.00 Uhr (erforderliche Durchschnittsgeschwindigkeit 20 km/h)

www.riderman.de

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