Maloja

Maloja

3 PÄSSE 3 REGIONEN 1TAG

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Was hatten wir für eine Winterbahn Saison. So viele Rennen wie noch nie, ständig am Tasche packen und reisen, ständig unter Spannung, viele Länder und viele Menschen. Und fast immer auf dem Bahnrad: starr, tief, schnell. Es geht links herum, immer und immer wieder. Hass, Liebe, Hass – es ist wirklich Liebe!

Hass – es ist wirklich Liebe! Verpflichtungen und Druck, dazu kommen noch die persönlichen Erwartungen und Ziele. Nach Erfolgen und Niederlagen war uns klar: wir müssen runter von der Bahn. Was tun? Da blieb eigentlich nur eine Option: raus auf den Berg, vom Neonlicht in die strahlende Sonne, von der Klimaanlage des Velodroms in die klare Bergluft. Mit Maloja Rennbekleidung statt offiziellem Teamkit. Gael Suter, der frisch gebackene Schweizer Europameister im Omnium. Max Beyer, der Berliner Weltcupsieger und ich, der ich Anfang des Jahres das Rotterdamer Sechstagerennen gewinnen konnte. Drei Pushbiker, eine Mission.

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Wir hatten zunächst den Plan, mit den Fixies oder besser gesagt mit unseren Fujis über die Alpen zu fahren. Mit den Rädern also, die uns den Winter über begleitet haben. Ok Stopp... Planänderung! Jeder von uns hat doch auch einen Lieblingspass, und nicht nur eine Lieblingsbahn. Oder nennen wir es gar einen „Lieblings-Berg“, den wir anfahren wollten. Das wurde unsere immer noch für den normalen Verkehr gesperrt - und das zu Recht. Wir sahen die abgerutschten Felsen, die das Eis aus den Steilwänden gesprengt hatte. Natürlich war dann, je weiter wir uns nach oben arbeiteten, auch überall Schnee auf der Fahrbahn, was eine Weiterfahrt unmöglich machte. Schade, aber da half nur eins: Abbruch. Also schnell runter, Räder einpacken und Abfahrt Richtung Italien. Es war mittlerweile 9:30 Uhr am Vormittag. Unsere Radschuhe platzierten wir zum Trocknen über den Heizungsschlitzen im Auto. Mit zwei bis drei Fotopausen auf der Strecke vergingen die rund 300km Richtung Italien recht schnell. Und so kamen wir fast pünktlich zum Mittagschlag in Arrabba an. Räder ausladen, die trockenen Schuhe an und los ging es auf die zweite Challenge des Tages: Die Sella Ronda war frei, kein Schnee, dafür aber Touristen, tausende von Autos und Motorräder, die sich über die vier berühmten Alpenpässe Passo Pordoi, Passo Sella, Passo Gardena und Passo Campolongo quälten. Aber kein Stress für uns auf dem Rad... bergab schienen viele der Autofahrer in ihren Fahrzeugen genug von dem Kurvengeschlängel zu haben. Der Geruch von Kupplung lag in der Luft. Max übernahm die Leaderrolle – schließlich ist die Sella Ronda seine „Sehnsuchtsrunde“, die er, obwohl er aus Berlin kommt, pro Jahr öfter fährt als ich, der südlich von München lebt.

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Die Runde rollt, die Pässe haben alle eine angenehme Steigung und so können wir uns nach knapp 70 flotten Kilometern in einer der Bars am Passo Campolongo ein paar Espressis und Piadinas gönnen bevor wir um 16.00 Uhr nach Arrabba zurückrollen. Ich war schon leicht müde, und nachdem ich im Auto nach der Packung "Pan di Stelle" gegriffen hatte kam ein Zuckerhigh fast die Müdigkeit natürlich noch verschlimmerte. Nach einem kleinen und sehr späten Mittagessen und einem kleinen Nickerchen auf den 85 Kilometern von der Sella nach Feltre, packten wir in Semonzetto erneut unsere Sachen aus dem Auto und fuhren um 18.00 Uhr los gen Südwest.

Fünfzehn Kilometer vor dem Einstieg in den Monte Grappa stand die Sonne tief in den Bäumen und Feldern, die Alleen und Häuser erstrahl Vorgabe: 3 Pässe in 3 Regionen, zu dritt, an nur einem Tag! Jeder durfte seinen Lieblingspass „ins Rennen schicken“, in Zahlen sah das so aus: Gael Suter: der Gotthart, 993 Höhenmeter, 14 km Kopfsteinpflaster, drei Paar Cleats fielen diesem Berg zum Opfer. Max Beyer: die Sella Ronda, 2000 Höhenmeter, 69km, vier Pässe: Sella, Pordoi, Campolongo und Grödner. Christian Grasmann: der Monte Grappa, 1590 Höhenmeter, 27 km, vom Sommer in den Winter in nur 25 km. Also stand der neuen Plan fest: Zur „Entschleunigung“ doch mit Schaltung und der Möglichkeit, mal ein 28er Ritzel dabeizuhaben. Was sich im Nachhinein als sehr weiser Entschluss herausstellen sollte.

Die Planung ging in die heiße Phase: Google Maps wurde zur meistgeklickten Website auf meinem Computer. Kriegen wir das alles an einem Tag hin oder haben wir uns da zu viel vorgenommen? Wie fahren wir, damit wir möglichst wenig Zeit im Auto verlieren und in welcher Reihenfolge gehen wir die Pässe an? Fragen über Fragen, die meinen EMail Account schon manchmal an seine Schmerzgrenzen brachten. Aber, nach langen Hin und Her, stand fest: Abfahrt Holzkirchen um 4 Uhr morgens Richtung Gotthard, dann weiter zur Sella Ronda und von da zum Monte Grappa!

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Der große Tag: Frühe, sehr frühe Anreise in die Schweiz. Gottseidank haben wir unser Team- Wohnmobil mit einem Fahrer für den Tag und einen Fotographen mit an Bord. So können wir drei Radfahrer auf der Anreise noch etwas relaxen. Etwas Kaffee zum wachwerden, schwarz natürlich, der Erste von insgesamt Dreien. Nach knappen drei Stunden erreichen wir unsere erstes Ziel: Räder ausladen, warm anziehen und los geht´s: Der Gotthart empfängt uns ab dem ersten Meter mit Kopfsteinpflaster – unser ständiger Begleiter auf den nächsten 14 Kilometern. Natürlich nehmen wir die alte Gotthardstrasse, denn hier fahren kaum Autos und wir Rennradfahrer sind fast unter uns. Aber der Verkehr oder das Kopfsteinpflaster waren gar nicht das Problem. In allem Übermut hatten wir vergessen abzuchecken, ob der Pass schneefrei ist. War er leider nicht: er war weiß! Überall befanden sich noch Schneefelder und er war (glaube ich) ten. Monte Grappa ist ja eigentlich gar nicht als Pass oder Berg zu erkennen, so zumindest der Eindruck von unten. Er ist auch nur 1.775 Meter hoch, aber die Anfahrt startet schon auf 129 Metern Seehöhe. Er bildet den südlichen Abschluss der Dolomiten, mit ihm enden die Alpen, von unten grüßt die Poebene. Und: er zieht sich gewaltig! Der Einstig war steil. 28er!!!! Ich glaube, wir waren auch schon recht kaputt, und so begann das Suchen nach dem Gipfel. Da ist er! Da, nein da! Er war es nicht. Stattdessen ging es rauf, wieder etwas runter, um drei Ecken durch den Wald, aus dem Wald raus und wieder rein. Irgendwann war auch der Wald zu Ende. Keine Bäume mehr, aber viel kalter Wind. Eine schier endlose Schinderei auf der wir dann auch irgendwann unseren doch sehr ambitionierten Plan in Frage stellten. Aber wie es auf dem Rad immer ist, kam der Gipfel dann doch irgendwann in Sichtweite. Aber leider vorerst wirklich nur in Sichtweite und die letzten Kilometer zogen sich immer noch gewaltig hin!

Fast pünktlich zum Sonnenuntergang wurden wir von unseren zwei Kameraden mit drei Flaschen Tegernseer Hell am Gipfel empfangen, was nach all dem Kaffee und Energy Drinks das einzig wahre Getränk zu sein schien.

Genau das blieb in unserem Kopf, als wir am Ende des Tages wieder im Auto saßen. Wir hatten doch 900 km im Auto zusammengebracht, 135 km auf dem Rad und 4850 Höhenmeter auf den Zeigern. Aber es war eine Tour an einem Tag, in drei Regionen und zwei Ländern. Und wir waren uns einig: Es wird hart, das mit den Fixies noch zu toppen.

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INFOBOX

Unser Dank geht an den Autopiloten Andy und Herrn Müller, dessen Zurufen („geht schon, nochmal!“) uns doch manchmal ans Limit brachte. Die Bilder sprechen denke ich aber ihre eigene Sprache und erzählen unsere Geschichte.

Maloja Pushbikers
If you do it with passion, you will not lose Unser Team vereint die Liebe zum Radsport. Der Drang, Konventionen aufzubrechen. Junge Fahrer und Fahrerinnen zu begeistern. Denn wenn man etwas mit Leidenschaft macht, hat man bereits gewonnen.

2017 starten siebzehn männliche Fahrer mit sechs Nationalitäten im indigoblauen Trikot der Maloja Pushbikers als UCI zertifiziertes Track Team. Neu in dieser Saison ist das Frauenteam Maloja Pushbikers Fem mit fünf Fahrerinnen.

www.malojapushbikers.com
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Verlosungen

Biciclettakombi by Maloja

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