Tour of the Alps 2017

Tour of the Alps 2017

TEXT: Max Kuen & Julia Schwarzmayr FOTO: Elisa Haumesser

17. April 2017, Ostermontag. Der Frühling lässt sich nicht blicken, stattdessen herrschen Temperaturen, die gerade so hoch sind, dass es regnet und nicht schneit. Eigentlich sollte man da zuhause im Warmen bleiben, aber das funktioniert für uns nur so halb: wir sind zwar zuhause in Tirol, aber eindeutig nicht im Warmen. Da werden wir auch so schnell nicht wieder hinkommen, liegen doch 142 Kilometer und etwas mehr als 2000 Höhenmeter vor uns. 12 Uhr Mittag: die Heldenorgel untermalt musikalisch den Start der Tour of the Alps in Kufstein. Los geht’s in unser „Heimrennen“!

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PROLOG
Rund eine Woche zuvor wurde unser Team für die neu gegründete Tour of the Alps Bekannt gegeben. „Wir“ sind das Tirol Cycling Team, auf der Tour of the Alps vertreten durch die beiden Italiener Filippo Fortin und Enrico Salvador, den aus Ruanda stammenden Valens Ndayisenga und Patrick Gamper, Matthias Krizek, Sebastian Schönberger, Lucas Schwarz und mich selbst aus Österreich.

Die Tour selbst entstand aus dem traditionsreichen Giro del Trentino, der 2017 unter neuem Namen erstmals durch die gesamte Euregio-Region Tirol, Südtirol und das Trentino führt. Für Patrick, Lucas und mich als Tiroler ist es wirklich unser Heimrennen, für mich ganz besonders mit dem Startschuss in meiner Heimatstadt. Fünf Tage bevor es losgeht treffen wir uns schon in Ebbs, um gemeinsam zu trainieren und die Abstimmung im Team noch zu verbessern. Wir haben etliche neue Fahrer in der Mannschaft und sind seit Anfang Dezember in Teambuildings und am Rad zusammengewachsen, die letzten Tage nützen wir zum Feintuning. Die Stimmung ist gut, wir freuen uns sehr, dass es jetzt endlich losgehen wird. Die Zielsetzung für uns als Continental Team ist ziemlich klar: in die Spitzengruppen kommen, unsere Bergfahrer nach vorne bringen. Ich bin übrigens kein Bergfahrer, soviel dazu.

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17. April 2017, 1. ETAPPE
Zwischen dem Start in Kufstein und dem Ziel in Innsbruck liegen heute nicht nur die üblichen 78 Autobahnkilometer, sondern 142 Radkilometer und 2.075 Höhenmeter. Von Beginn weg geht es schnell und hart zur Sache, es wurden zahlreiche Fluchtversuche unternommen und wir waren aktiv dabei, so wie wir es uns vorgenommen hatten. Patrick und Matthias konnten in den Spitzengruppen mitfahren, Sebastian bei den Bergwertungen in Brandenburg gut punkten. Gut vier Kilometer vor dem Ziel auf der Hungerburg in Innsbruck war das komplette Feld wieder vereint, im letzten Anstieg zersplitterte es dann aber total. Der schnellste an diesem Tag war der Italiener Michele Scarponi vom Astana Pro Team, Sebastian kam als erster unseres Teams und insgesamt 39. ins Ziel. Insgesamt lief der Auftakt für uns wunschgemäß, wir konnten uns Respekt bei den großen Teams verschaffen und sind als Mannschaft gut gefahren. Dass nicht nur beim Start und im Ziel jede Menge Zuschauer dabei waren, sondern auch an der Strecke, war schon ziemlich besonders. Und das, obwohl es wirklich saukalt war, wenn auch nicht geschüttet hat, wie in der Wettervorhersage angekündigt.

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18. April 2017, 2. ETAPPE
Herrlicher Schneefall beim Aufwachen in Innsbruck! Richtige Freude stellt sich dann ein, wenn einem bewusst wird, dass die heutige Etappe von Innsbruck über den Brennerpass nach Innervillgraten führen wird. Das Highlight dieses Streckenabschnitts sollte die Fahrt über die Europabrücke werden, wir sind relativ besorgt, dass wir wirklich im Schneetreiben hinauf fahren müssen und erst am höchsten Punkt ins Auto steigen können. Dann aus unserer Sicht die gute Nachricht (für den Veranstalter verständlicherweise die schlechte): verkürzte Etappe und Start in Sterzing. Von dort geht es dann über 140 Kilometer und nur mehr grob 1.500 Höhenmeter nach Innervill graten in Osttirol. Gleich zu Beginn setzte sich eine vierköpfige Spitzengruppe mit Patrick Gamper ab, die 80 Kilometer lang das Feld anführen konnte. „Das Tempo im Hauptfeld war dann aber sehr schnell und leider wurde die Ausreissergruppe mit mir vor dem Anstieg nach St. Justina gestellt“, meinte er nach dem Rennen. Vor der Bergwertung zog das Tempo dann nochmals massiv an – besonders das Team Gazprom-RusVelo hatte es wohl auf die Bergwertungen abgesehen - Sebastian und ich konnten im Führungsfeld mitfahren. Attacken und Fluchtversuche gab es zuhauf, aber niemand konnte sich absetzen – Entscheidung im Zielsprint, bei strahlend blauem Himmel, wohlgemerkt. Sebastian landete schließlich auf dem 25., ich auf dem 41. Rang. Gewonnen hatte der Australier Dennis Rohan vom BMC Racing Team. Für den Veranstalter bitter: in Innsbruck hatte es noch am Vormittag aufgehört zu schneien und es ist wärmer geworden – aber ein bis zwei Stunden verschieben bei einer geplanten Etappenlänge von über 180 Kilometern wäre so oder so nicht drin gewesen.

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19. April 2017, 3. ETAPPE
Schnee am Wurzjoch bedeutete für uns, dass auch die dritte Etappe auf verkürzter Strecke gefahren wird und wir uns ungefähr 1.000 Höhenmeter sparen: trotzdem bleiben 135 Kilometer Distanz, über 2.700 Höhenmeter, Zieleinfahrt in Villnöß. Wie gestern setzte sich eine kleine Spitzengruppe vom Feld ab, diesmal war Filippo mit dabei. Doch auch auf dieser Etappe wurde diese Gruppe vom Peloton nach ungefähr 80 Kilometern eingeholt. Auf dem Weg zur Bergwertung am Rodengo-Pass auf 1.748 Metern zog das Tempo extrem an. Wenig überraschend löste sich das Hauptfeld vollkommen auf, viele kleinere Fahrergruppen bildeten sich. Unser ständiger Begleiter war wie am Tag zuvor der bissige Nordwind, kein großer Spaß, vor allem wenn du nicht als Feld unterwegs bist. Beim Sieg des Briten Geraint Thomas vom Team Sky, der so die Gesamtführung übernahm, wurde Sebastian als 54. nicht nur abermals Teamschnellster, sondern auch bester Österreicher.

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20. April 2017, 4. ETAPPE
Es war uns allen klar, dass die vierte Etappe von Bozen nach Cles, die über 165 Kilometer und knapp 3.500 Höhenmeter führte und mit Mendelpass und Brezer Joch zwei Bergwertungen aufwies, hart werden würde. Wir waren schon einigermaßen müde, die drei letzten Tage spürten wir mittlerweile – kein Wunder, wenn man Distanzen, Konkurrenz und die „frühlingshafte“ Witterung bedenkt. Zudem wartete schon 20 Kilometer nach dem Start der Mendelpass auf uns: über 1.000 Höhenmeter und 20 Kilometer bergauf. Vorne weggefahren sind hier nur mehr diejenigen, die noch richtig Beine hatten. Diesmal hatten wir mit der Entscheidung im Zielsprint der 50 Mann starken Spitzengruppe nichts zu tun, sondern kamen allesamt mit Verfolgergruppen ins Ziel, Sebastian und ich zeitgleich mit weniger als acht Minuten Rückstand auf den Sieger Matteo Montaguti. Wir haben super zusammen gearbeitet und ich bin richtig gut gefahren (wie gesagt, ich bin kein Bergfahrer!). Am Weg aufs Brezer Joch haben wir die vor uns noch gesehen. Dass dann auf der Ergebnisliste ein nüchterner 74. Platz steht, hat mich ziemlich runtergeholt. Ich musste dringend abschalten, sonst würde auf der Schlussetappe nix mehr gehen.

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21. April 2017, 5. und finale ETAPPE
Finaltag auf der Euregio-Rundfahrt durch Tirol, Südtirol und Trentino! Das Beste kommt doch immer zum Schluss: mit 200 Kilometern Distanz der längste Tagesabschnitt, außerdem waren an keinem anderen Tag mehr Höhenmeter zu treten. Der Passo Durone und der Monte Bondone waren zusätzlich zwei der schwierigsten Anstiege der gesamten Rundfahrt. Also ein letztes Mal 2017 an den Start der Tour of the Alps rollen und dann pedalieren. Ausrollen war das aber bei weitem keines! Speziell die letzte Bergwertung am Monte Bondone war ein Gustostückerl an Streckenführung. Am Weg dorthin gab es, sozusagen zur Einstimmung, einen kleinen Hügel, der gemütliche sieben Kilometer lang und bis zu 11° steil war – der war aber nicht Teil der Bergwertung. Dann auf zur finalen Bergwertung! Ebenfalls bis zu 11° steil, aber diesmal halt 20 Kilometer lang, danach in unzähligen Kehren mit 60, 70 Stundenkilometern bergab. Und da das Beste wirklich zum Schluss kommt, gab es kurz vor dem Ziel noch die Draufgabe mit einem zwar nur zwei Kilometer langen, dafür 17° steilen Anstieg – pure Freude! Wie schon tags zuvor fuhren wir allesamt mit Verfolgergruppen ins Ziel, Sebastian, Matthias, Lucas und ich 23:35 Minuten nach dem Franzosen Thibaut Pinot.

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EPILOG
Nach über 800 Kilometern und 15.000 Höhenmetern (auch wenn ein paar davon dem Wetter zum Opfer fielen) kürte sich Geraint Thomas vom Team Sky zum Gesamtsieger. Das Tirol Cycling Team hat erreicht, was es sich vorgenommen hat: wir hatten einige Fahrer in Spitzengruppen mit dabei, Sebastian wurde insgesamt 18. in der Bergwertung und 11. in der Jugendwertung. Für ihn und das Team ein toller Erfolg, für den er sich auch bei der gesamten Mannschaft bedankt hat – Rennradfahren ist Teamsport! Mein persönliches Mega-Highlight hatte ich mit dem Start in Kufstein. Bei der Teamvorstellung am Ostersonntag ist schon so viel Publikum gewesen, so viele haben mir Glück gewünscht und wollten kurz mit mir reden. Und beim Start am Montag war der Obere Stadtplatz richtig gut gefüllt – mein absolutes Karrierehighlight bisher, in meiner Heimatstadt in ein Rennen starten zu dürfen. Ansonsten bin ich zufrieden mit meinem 70. Gesamtrang und dem Team-Ergebnis. Wir entwickeln uns weiter, das haben wir am Sonntag dann auch gleich bei der Burgenland-Rundfahrt unter Beweis stellen können. Nicht zuletzt haben wir uns bei den großen Teams Respekt erarbeitet – ebenfalls ein schöner Erfolg für uns.

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INFOBOX

Die Tour of the Alps
geht aus dem traditionsreichen Giro del Trentino hervor und feierte 2017 Premiere. Das Etappenrennen führt in fünf Tagen durch Tirol, Südtirol und Trentino. Die Auftaktetappe 2017 von Kufstein nach Innsbruck diente als Generalprobe für die UCI Road World Championships 2018 in Innsbruck. www.tourofthealps.eu

Die Etappen:
1. Etappe: Kufstein-Innsbruck/Hungerburg, 142,3 km – 2075 Hm 2. Etappe: Innsbruck-Innervillgraten, 181,3 km – 2539 Hm 3. Etappe: Villabassa/Niederdorf-Funes/Villnöß, 143,1 km – 3742 Hm 4. Etappe: Bozen-Cles, 165,3 km – 3459 Hm 5. Etappe: Smarano-Trient, 199,6 km – 3759 Hm

Das Tirol Cycling Team
fährt unter dem Motto “Einer für alle, alle für einen! Ohne Vorbehalte! Ohne Neid! Ohne Mißgunst!“ als Mannschaft und aus Leidenschaft Rennrad. Eine bunte Mischung aus erfahrenen Fahrern und „jungen Wilden“ soll für den Erfolg des Continental Teams sorgen. Nicht ganz überraschend sind etliche Tiroler mit von der Partie. www.Ridewithpassion.tirol

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Verlosungen

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