HELDEN DER AERODYNAMIC

HELDEN DER AERODYNAMIC

INTERVIEW mit Lars Teutenberg & Lloyd Thomas

Fotos: Archiv Lars Teutenberg

Lars Teutenberg weiß beim Thema Aerodynamik genau wovon er spricht: Er wurde dreimal deutscher Meister auf der Bahn, auf der Straße gewann Lars Teutenberg mehrere Etappenrennen, bei den Deutschen Straßen-Radmeisterschaften 2007 wurde er deutscher Vize-Meister im Einzelzeitfahren. In den Jahren 1996, 1999 und 2002 stellte Lars Teutenberg Weltrekorde auf Human Powered Vehicles über eine Stunde und 100 Kilometer auf. 2012 trat er zur Deutschen Meisterschaft im Einzelzeitfahren an und wurde im Alter von 41 Jahren Dritter hinter Tony Martin und Bert Grabsch; 2013 belegte er Rang vier. Nach dem Ende seiner langen Karriere ist Lars Teutenberg bei der Radfirma Scott Sports für die Betreuung der Profi-Teams, unterstützte in dieser Funktion Matthias Brändle bei dessen erfolgreichen Stundenweltrekordversuch und kümmert sich um alles zum Thema Aero bei Scott.

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Lloyd Thomas, gebürtiger Kanadier, ist ein international anerkannter Bike Fitting Experte. In seinem Studio in Bensheim betreibt er ein hochmodernes Institut, das auf Analyse und Fitting spezialisiert ist. Zu seinen Kunden zählen zahlreiche Profi- Teams und Athleten wie HTC - Highroad, Argos-Shimano, FDJ, GreenEdge, Rabobank. Er setzt Radprofis wie Simon Gerrans, Marcel Kittel, John Degenkolb, Marco Pinotti, Michael Rogers, Robert Gesink, Tom Slagter, Laurens Ten Dam und viele mehr richtig aufs Rad. Wir haben beide zum Thema Aerodynamik befragt.

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BDC: Steigen wir mit einer banalen Frage ein: Wie definiert Ihr "Aero Bike"?
Lars: Ein Rad (mit allem was es komplett macht) das aerodynamisch optimiert/abgestimmt ist.
Lloyd:
Per Definition zuerst mal ein Rennrad. Wobei der augenscheinlichste Unterschied zwischen Rennrad und Aero Bike die Form des Rahmens bzw. die der Rohre ist. Diese sind in Hinblick auf ihre Aerodynamik optimiert.

BDC: In welche "Gruppen" würdest Du Aero Bikes einteilen?
Lars: Aero only, TimeTRail Räder und sonstige nicht ganz alltagstaugliche Räder. Dann "Aero", alles was schnell ist und moderate Gewichtsnachteile hat und schließlich "Aero lite", leichte Räder mit geringen Aero Optimierung die gewichtsneutral sind.

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BDC: Wie viel Prozent Leistung kann man denn mit einem Aero Rad gegenüber einem normale Rennrad sparen?
Lars: Bei hohem Tempo kann man über den kompletten Bereich, also inklusive Fahrer und Bekleidung, schon gerne mal 15% bei 45km/h sparen, was ungefähr 2km/h entspricht.
Lloyd: Wir haben bei einigen Tests im Windkanal den Unterschied zwischen einem normalen Rennrad und einem Aerorad von 1,5 bis 2% gemessen.

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BDC: Vergleicht man das Gewicht der "normalen" Aero Räder, so liegt das immer über dem Gewicht von vergleichbaren Rennrädern. Werden leichte Räder überbewertet bzw. ist das Gewicht gar nicht so wichtig?
Lars: Beim Rahmenset sind es knapp 300 Gramm und bei den Laufrädern auch noch mal etwas so viel. Unter UCI Regeln sind gute Aero Renner also gar nicht weit weg vom Limit mit 6,8kg und daher im Renneinsatz eigentlich kein Nachteil.
Lloyd: Ich finde immer, man muss beim Gewicht das komplette System betrachten. Vergleicht man ein Rad mit 6,8kg mit einem mit 7,1kg ist der Unterschied deutlich und prozentual hoch. Nimmt man aber den Fahrer noch mit in die Rechnung sieht das schon ganz anders aus. Nehmen wir mal einen 70kg Rennradfahrer, so reden wir über 76,8kg zu 77,1kg. Die Differenz macht also beim System weniger als 1% aus. Betrachtet man jetzt das Potenzial, dass sich durch Verbesserung am Luftwiderstand erzielen lässt – und da reden wir bei einem Hobbyfahrer, der durchschnittlich 250 Watt treten kann , von 5 bis 6% - dann spielt das 1% Gewicht nicht mehr eine so große Rolle. Außer man wohnt mitten in den Alpen und fährt ausschließlich Pässe.

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BDC: Wo seht Ihr das größte Potenzial beim Thema Aerodynamik?
Lars: Ganz klar die Position des Fahrers auf dem Rad. Der Mensch auf dem Rad bleibt immer noch der größte Widerstand im System. Deshalb sehen wir das und die Abstimmung von Bekleidung und Helm darauf als größtes Thema.
Lloyd: Wenn ich eine Liste mit 10 Punkten schreiben müsste, was die Aerodynamik bei den meisten Radfahrern verbessern kann, würde da sieben Mal Bike Fit und Verbesserung der Position auf dem Rad stehen. Gefolgt von Kleidung, Helm und Laufrädern.

BDC: Welche Parts spielen bei Euren Entwicklungen die meiste Rolle? Lenker, Kabelverlegung, Laufräder…
Lars: Die Abstimmung aller Teile aufeinander. Und das abwägen, wo Gewicht und Steifigkeit zu sehr unter Aero leiden. Deutliche Ersparnisse bringt auch ein moderner Aero Helm wie der Cadence. Der ist sogar schneller als ältere TT Helme und besser belüftet als ältere Road Helme.

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BDC: In dem Zusammenhang: Rasierte Beine?
Lars: Sicher ein Muss, wenn man schnell sein/aussehen will.
Lloyd: Das ist rein aerodynamisch nicht zu unterschätzen! Und wie Lars schon sagt, einfach ein Muss.

BDC: Wie sehen Rennräder in fünf und in zehn Jahren aus?
Lars: Noch mehr Integration von Bauteilen. Was mit elektronischen Schaltungen und Hydraulischen Scheibenbremsen auch ohne Kompromisse der Funktion machbar ist.
Lloyd: Da darf ich nicht zu viel verraten, aber wir arbeiten daran!

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