Der weiße Rausch

Der weiße Rausch

St. Anton a.Arlberg

St. Anton am Arlberg ist ein verrückter Ort! Weltbekannt für sein Skigebiet und die Möglichkeiten Offpiste. Genauso weltbekannt sind die vielen Apres Ski Hütten und Bars und das sehr exzessive Nachtleben. Noch nicht weltbekannt, aber auf einem guten Weg sind die „Breitensportereignisse“ in St. Anton: Der Arlberger Jakobilauf, der Arlberger Bike Marathon der Arlberg Giro, die jedoch alle überschattet werden von einer irrwitzigen Veranstaltung im April jeden Jahres: Dem Skirennen „Der Weiße Rausch“!

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Das ist ja mal wirklich was ganz Neues, normal packe ich entweder zum Skifahren oder zum Radfahren. Aber diesmal liegen zwei Haufen zum Einpacken bereit: das komplette Radequipment für die Anreise noch St. Anton am Arlberg und das komplette Skiequipment für den Tag danach. Aber auch das unterscheidet sich deutlich von meiner „normalen“ Skiausrüstung, die ja immer „freerideig“ ist. Diesmal stehen Rennski, Rückenprotektor und halbwegs „enge“ Klamotten bereit.

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Aber was führt zu dieser „Packschlacht“? Natürlich eine durchzechte Nacht und eine zu offene Klappe. Bei der Apres Party zum „Weißen Rausch 2014“ kam irgendwie die Rede auf den Arlberg Giro. Der Giro führt von St. Anton über den Arlbergpass, Bludenz, das Montafon über die Biehler Höhe nach Ischgl und durch das Inntal wieder zurück nach St. Anton. 135 wunderschöne Kilometer in unglaublich schöner Natur. Als „Finisher“ beider Rennen interessierte mich vor allem, wie viele St. Antoner auch beide Renne bestreiten – im Sommer das Radrennen und im Winter das Inferno-Skirennen. Eine „Handvoll“ gäbe es da sicher hat mir Miriam vom Tourismusverband damals erklärt. Und wie es der Teufel will, ergab ein Satz den anderen und schon hatte ich mein Versprechen gegeben: „Wenn mir die Jungs entgegenfahren und mich die letzten Kilometer nach St. Anton begleiten, komme ich mit dem Velo zum Weißen Rausch 2015.

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Am Donnerstag den 16. April 2015 beginnt für mich also meine ganz eigene Challenge zum Weißen Rausch 2015. Um 9.00 Uhr klicke ich in die Pedale meines Rennrads ein. Vor mir liegen 167km vom Verlag in Gmund am Tegernsee auf der kürzesten Streck nach St. Anton am Arlberg. Genau das habe ich versprochen! Die ersten Kilometer begleitet mich noch ein Freund, der sich aber leider am Sylvensteinspeicher wieder verabschieden muß. Allein geht es also an der Isar entlang und über Wallgau, Mittenwald und Seefeld runter ins Inntal. Natürlich ist es die erste lange Tour der Saison und natürlich zwicken die Muskeln und der Hintern tut gehörig weh. Aber was solls, gesagt ist gesagt und schließlich kommt mir ja die Abordnung aus St. Anton entgegen. Kneifen oder Aufgeben ist also keine Option. Das Inntal zieht sich, Telfs, Ötztal Bahnhof, Imst endlich Landeck und die JET Tankstelle in Pians an der schon Reinhard, Niki und Alex warten. Gemeinsam nehmen wir die letzten 25km in Angriff – auch für meine neuen Mitfahrer ist es die erste Tour des Jahres. „In St. Anton ist noch Wintersaison, da hascht koa Zeit zum Radln!“ Reinhard war bis 13.00 Uhr noch beim Skilehrern, Nicky hat das Hotel noch gut voll und sitzt wirklich das erste Mal in dem Jahr auf dem Rad. Dementsprechend locker geht es, bedingt natürlich auch durch die 500HM die wir nun vor uns haben, hinauf nach St. Anton. Das an den Rädern noch der Dreck der letzten Saison klebt und das bei zwei Mitgliedern unseres Grupetto heute noch keine Zeit war die „Sommerrasur“ der Beine vorzunehmen wird natürlich heiß diskutiert. Ich bekomme ein paar schöne neuen Routen in Vorarlberg erklärt und dass Skifahren die beste Saisonvorbereitung schlecht hin sei. So vergeht der Anstieg und auch die letzten Kilometer meiner ersten Langen Tour 2015 vergehen sehr kurzweilig. Als wir die Dorfstraße entlangrollen ergibt sich ein schönes Bild: Wir in kurzen Hosen auf den Rennrädern – zwei von vier mit rasierten Beinen - und die Skifahrer mit geschulterten Ski auf dem Weg zu Ihren Hotels.

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Wir steuern die Galzigbahn Talstation bzw. das „Anton“ an – denn hier endet auch morgen der Weiße Rausch und dort gibt es jetzt natürlich erst mal das nun wohl verdiente Zielbier! Gerade als wir uns zum „Siegerphoto“ vor der Galzigbahn gruppieren, schwingen Angelika Kaufmann und Tobi Heindl direkt neben uns ab. Beide sind schon „bewaffnet“ d.h. mit Ihren langen Super G Ski zur letzten Streckenbesichtigung unterwegs. Geli ist schon sechsmal beim Weißen Rausch mitgefahren und hat fünfmal gewonnen. Tobi, ihr Mitbewohner in der WG in Zug, bringt es nur auf zwei Starts und auch „nur“ auf einen zweiten Platz, aber das soll sich dieses Jahr ändern.

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Das Rennen selbst ist schnell erklärt: In drei Startblöcken fahren die 555 Starter vom Valugagrat auf 2642 Metern Höhe so schnell es geht ins Ziel vor der Galzigbahn in St. Anton – 9km Strecke, 1338 Tiefenmeter! Start ist um 17.00 Uhr und natürlich wird die Strecke nicht eigens präpariert. Der Schnee wechselt von hart auf weich, wenn die Sonne scheint zu wässrig. Die Buckeln sind hoch und hinter jedem könnte ein gestürzter Skifahrer oder dessen Equipment liegen. Beim Weißen Rausch 2015 war es besonders hart, weil sich am Start eine hartnäckige Nebelwand hielt. Man fuhr praktisch ins Nichts – und das ziemlich schnell und mit ca. 200 anderen Skifahrern. Tobi wurde der Nebel auch zum Verhängnis „Kurz vor der Nebelwand wurde es in der Führungsgruppe ziemlich eng! Ich wollte an den rechten Rand der Piste ziehen, der aber ein wenig schneller als gedacht daherkam. Ich Stürzte mit ein paar Überschlägen. Konnte mich aber nach einer kurzen Slalomeinlage durch die Nachfolgende Konkurrenz von der Piste retten. Als ich die Ski wieder anhatte war ich Letzter!“ Bei Geli lief es deutlich besser. Sie startet in der dritten Welle, die als erste klare Sicht hatte, und fuhr einen klassischen Start Ziel Sieg ein: „Am Start der Nebel, die Anspannung, dann des Rennen selber, wo ma immer wieder an die Grenzen kommt und der Zieleinlauf mit die Zuschauen, die einen anfeuern und dann die Erleichterung im Ziel – alles fällt ab, die Saison isch quasi beendet und dann DER Ausklang!“ Und wahrscheinlich ist es genau die Mischung, die die Party am Abend so besonders macht – das Rennen ist gut überstanden, die Saison ist quasi vorbei – es darf gefeiert werden! „Gfeiert wird immer! Darum geht’s doch, sich mit Freunden treffen und eine gute Zeit haben. Ist und bleibt ja immer no a Gaudirennen und kein Weltcup.“ Und die ist in St. Anton garantiert und zwar besonders am Abend des Weißen Rausch.

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Ich bin an diesem Abend früh ins Hotel – erstens weil der Hintern und die Muskeln gezwickt haben und zweitens aus reinem Selbsschutz – man weiß ja nie, zu welchen Ansagen man(n) sich wieder hinreißen lässt.

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TEXT: Ralf Jirgens | FOTO: Anton Brey

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