PACIFIC OCEAN ROAD

PACIFIC OCEAN ROAD

Vancouver - San Francisco

Da stehe ich, mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Vor mir die Golden Gate Bridge, hinter mir viele Kilometer und drei Wochen Abenteuer. Angefangen hatte alles mit einem "Around the World Ticket" in der Hand und meinem Rennrad an der Seite vor ziemlich genau vier Wochen, am 17. April 2014, in München. Ich hatte mich aufgemacht in drei Monaten die Welt zu umrunden und mir für die erste Etappe etwas Besonderes überlegt: Mit dem Rennrad von Vancouver nach San Francisco. Durch Zufall war ich auf einen Reisebericht über die Strecke entlang der Westküste gestoßen und es war klar: Das ist es!! Nachdem das Jahr 2010 mit der "Craft Bike Transalp" ganz im Zeichen des Mountainbikes stand, suchte ich mal wieder nach einer größeren Herausforderung – diesmal mit dem Rennrad. Ich wollte meine Reise so intensiv wie möglich erleben und konnte mir deshalb nicht vorstellen, mit dem Auto die Küste entlang zu fahren. Aber ich habe diese tägliche "Aufgabe", auf das Rad zu steigen und zu wissen was zu tun ist, gesucht und wurde dafür auch mehr als belohnt: Mit einer grandiosen Landschaft und intensiven Momenten, die erst durch das Rennrad und der damit verbundenen Nähe zur Natur erlebbar wurden.

01

Gesagt, getan: Das Rad wurde umgerüstet, Satteltaschen montiert, Radkarten bestellt, die ersten Nächte in Vancouver gebucht…doch dann?! Der große Plan war, mal keine großen Pläne zu haben. Einfach immer Richtung Süden am Meer entlang. Da wo es schön war wollte ich bleiben und was die Übernachtungen anging, waren genug Motels entlang der Strecke, so dass man sich um ein Dach über dem Kopf keine großen Sorgen machen musste.
Vancouver selbst ist der ideale Ausgangspunkt, um in so eine Reise zu starten. Die Stadt zwischen Meer und Bergen hat alles zu bieten was das Sportlerherz begehrt. Für die knapp 2000 Kilometer, die vor mir lagen, hatte ich drei Wochen mit Pause - tagen eingeplant. Da ich bereits Mitte April aufgebrochen war, hatte zu Beginn der Reise leider auch das Wetter noch einiges zu bieten. Man merkt schnell, dass Wind und Regen am Pazifik noch eine andere Bedeutung haben als bei uns. Der Wind bläst teilweise so stark, dass einem die Luft weg bleibt und man gefühlt nur noch auf der Stelle tritt. Bei meinen Reisevorbereitungen und Recherchen auf diversen Foren, hatte ich zwar immer wieder gelesen, dass man die Strecke aufgrund der starken Winde unbedingt von Nord nach Süd angehen sollte, um den Rückenwind zu nutzen, allerdings war bis Kalifornien vom angepriesenen Rückenwind nicht viel zu spüren. Zudem waren die ersten tage von starken Regenschauern geprägt. Auf einigen teilstrecken entlang der Küste kann man zwar auf regionale Busse ausweichen, was sich mit Rad auch gut organisieren lässt, meistens ist man aber doch eher auf sich gestellt und notfalls zu einem Pausetag gezwungen. Klar, wenn man mit seinem Rad, gefühlten 30 Kilo Gepäck, fiesem Gegenwind und dann auch noch im nächsten Regenschauer alleine vor sich hin tritt, hebt das erstmal nicht die Stimmung. Aber aufgeben gab's nicht und die hoffnung war dann doch, dass es irgendwann wieder schöner werden würde. Und so kam es dann auch: Ab der zweiten hälfte der Reise wurde das Wetter beständiger und die Sonnentage reihten sich endlich aneinander.

02

Da die Strecke größtenteils auf dem highway 101 und ab Kalifornien dann dem highway 1 verläuft, und damit ca. 95% der Strecke asphaltiert sind, ist das Rennrad eine gute Wahl. Der Verkehr auf den highways selbst war nicht so bedrohlich wie zuerst befürchtet, was zum einen daran lag, dass ich noch vor den großen touristenströmen im Juni bzw. Juli unterwegs war, zum anderen führen einen die Radkarten, die ich vorab bestellt hatte (mehr Infos hierzu über die homepage der Adventure Cycling Association) immer wieder auf gut ausgebaute und verkehrsarme Nebenstraßen. Da sich die Straßen stetig die Küste entlang schlängeln, gleicht das höhenprofil einer Zickzacklinie mit teilweise steilen Abfahrten, dafür aber auch im nächsten Moment wieder zähen Gegenanstiegen, so dass ich froh um meine Dreifachübersetzung war.
Nach den ersten tagen auf dem Rad und dem Vertrauen, dass alles gut geht und man sich zurecht findet, wurde ich auch langsam ruhiger. Zwar waren erstaunlich wenig gleichgesinnte Radfahrer unterwegs (insgesamt 5 bei 2000 km, die mir entgegen kamen), dafür auch in entlegeneren Gebieten hin und wieder ein Pickup, der einen hätte einsammeln und bis zum nächsten Ort bringen können. Ich hatte ein kleines tablet dabei, so dass ich spontan am Abend vor der nächsten Etappe schauen konnte, wo es am nächsten tag hingehen sollte und was für Übernachtungsmöglichkeiten ich hatte. Was die Motels angeht, findet man hier so ziemlich alles: Schöne…und nicht so schöne, je nach Budget. Da kam es schon mal vor, dass eher wenig geschlafen wurde und ich den Abend lieber nebenan im Mc Donalds verbracht habe, als in meinem Zimmer. Aber was kann man von einem Motel das "LowBudget Inn" heißt auch erwarten?!

03

Am Ende waren es 16 tage auf dem Rad, ca. 130 Kilometer im Schnitt und zwischen 500 und 1500 höhenmeter pro tag. Aber egal wie anstrengend es manchmal auch war, es verging kein tag an dem man nicht durch diese großartige Natur für die Strapazen belohnt wurde. Die Strecke entlang der Westküste ist landschaftlich einmalig schön. Egal ob kilometerlange Sanddünen oder der Redwood Nationalpark… es wird einem einiges geboten. Geht es in Oregon noch durch dichten, tiefgrünen Wald auf der einen Seite und dem weiten Blick über den Pazifik mit schwarzen Felsformationen im Wasser auf der anderen Seite, ist die Landschaft in Kalifornien von trockenen Hochplateaus und tiefen Brücken über weite Schluchten geprägt. Die kleinen Orte entlang der Küste sind nicht immer schön im klassischen Sinne, aber haben ihren Charme…und wer gerne Fisch isst, kann sich nicht beschweren. Für die Mittagspausen, die ich meistens irgendwo am Strand verbrachte, hatte ich mich mit Riegeln und Bagels eingedeckt, abends gab es dafür dann was "richtiges": Spagetti mit Meeresfrüchten, Fish&Chips, Blaubeerpfannkuchen und Brownies…verhungern muss da keiner.

03

Durch das alleine Reisen kommt man schnell mit Einheimischen ins Gespräch. Egal ob vor dem Supermarkt, abends beim Essen oder an einem der Pausetage. Trotzdem war es für mich auch eine Herausforderung, neben der körperlichen Anstrengung, mit mir alleine klar zu kommen. Gerade an Pausetagen in einem kleinen Fischerort an der Küste, mit nicht wirklich viel drum herum, stellt man sich dann doch auch mal die Frage: Was mache ich hier eigentlich?! Aber auch hier schleicht sich irgendwann eine Art Routine ein und man schlendert entspannt durch den Tag und genießt die Freiheit, mal nicht darüber nachdenken zu müssen, wann man wo zu sein hat. Doch auch beim Radeln selbst gab es Tage, an denen es weniger die Beine waren, die schlapp machten, sondern der Kopf. Z.B. dann, wenn man drei Tage lang durch Wald radelt und eine Idee davon bekommt, in was für Dimensionen man sich in den USA bewegt.

05

Doch irgendwann nach vielen Kilometern auf dem Rad schlängelt sich die Straße kurz nach Sausalitos einen Berg hinauf und plötzlich, eine Kurve weiter ist die Golden Gate Bridge in Sicht. Da steht man dann und ist erstmal sprachlos. Sprachlos darüber, dass das Ziel zum Greifen nah ist, aber auch sprachlos darüber, was hinter einem liegt und man geschafft hat. Und so stand ich da, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, um dann mit meinem Rad über die Golden Gate Bridge hinein nach San Francisco zu rollen.

Bericht & Fotos von Julia Muschallik

Verlosungen

Wahoo Elemnt Bolt

Speziell an leistungsorientierte Rennradfahrer und...

Northwave Extreme RR

Mit dem Extreme RR hat Northwave nicht weniger ges...

Katusha Alpecin Replica Set

Einmal fühlen wie ein Profi! Das Team Katusha Alp...

Alpen Hotel Post in Au: Rennradurlaub im Bregenzerwald

Nicht daheim und doch zu Hause – lautet das Motto ...

Biciclettakombi by Maloja

Bicicletta Trikots