Paul & Paul

Paul & Paul

100 Jahre Bahnradsport

Das verschmitze Lächeln was Paul Nehring im Gesicht trägt, steckt unvermittelt an. „Die schwarze Acht! Wir hatten damals die schwarze Acht und dann wussten die alle Bescheid, was das hieß“. Mit der schwarzen Acht auf dem Rücken jagte Paul Nehring schon vor über 50 Jahren durch die Radrennbahnen der Republik. Zusammen mit seinem damaligen Partner im Mannschaftsfahren, Dieter Schulz, siegte er nicht nur beim Eröffnugnsrennen der Radrennbahn 1961 in Hamburg, sondern war auch bei Renntagen in Hildesheim, Dortmund, Berlin oder Bremen erfolgreich. Die Radbahnen waren zu dieser Zeit nicht nur aus Holz oder Beton gefertigt, die Fahrer fanden sie sich auch oftmals auf gewöhnlichen Aschenbahnen wieder. So zum Beispiel in den späten 50er Jahren, als es im Inneren des Bremer Weserstadions vor zehntausenden von Zuschauern um den Sieg ging. Wurde anschließend die Sieges-Trophäe gleich wieder zu Geld gemacht, blieb für Paul Nehring und den anderen Rennfahrern die Erinnerung daran für immer.

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Paul Nehring, der in diesen Tagen seinen 80.-Geburtstag feiert, galt in Norddeutschland als das Sprinter-As. Der Weg zu den zahlreichen Erfolgen und Titeln war für den gelernten Maurer weit: Sein Trainingspensum musste er zu der damaligen Zeit jeden Morgen und Abend auf dem Arbeitsweg abspulen. Hundert Kilometer waren dabei keine Seltenheit. „Wir hatten damals ja nicht so viel Material und konnten nicht mal eben einen neuen Reifen kaufen. Da mussten wir schon aufpassen, dass alles für die Rennen am Wochenende heil blieb“. Sie hatten nicht einmal eine Luftpumpe. „Und wer eine besaß, verlieh sie nur an seine Freunde. Und von denen auch nur an die Besten!“ Und für das was kaputt ging, musste eine gute Erklärung herhalten. „Wenn wir dann Montags wieder zur Arbeit mussten und uns wegen eines Sturzes am Wochenende kaum bewegen konnten, haben wir erstmal die Zähne zusammengebissen und uns nichts anmerken lassen. Erst danach sind wir dann zum Arzt und ließen uns einen Arbeitsunfall attestieren“, dabei lässt Paul wieder sein Lächeln aufblitzen.

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Nicht nur einmal hat es Paul dabei hart vom Rennsattel geholt. Bei einem Derny-Rennen in Dänemark stürzte er so schwer, dass er seine bereits feststehende Teilnahme beim beliebten Berliner-Sechstage-Rennen absagen musste. Eine Entscheidung die ihm sichtlich heute noch weh tut: „Da wäre ich schon ganz gerne dabei gewesen“ resümiert der eine Paul.
Der andere Paul, Paul Lindenau (19), erfolgreicher Fahrer im Stevens-Racing-Team (u.a. Deutscher Meister im Cyclocross und WM-Teilnehmer) kennt weder die Rennen auf den Aschenbahnen der Stadt noch ein Mangel an Material und Ausrüstung. Erlebt hat er dennoch schon einiges. Aber eben anderes. Immerhin liegen zwischen „Paul und Paul“ gute 50 Jahre Radsport-Geschichte.

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Als Querfeldein-Spezialist trug Paul Lindenau sich bereits mehrmals in die nationalen Siegerlisten ein, wie er auch als einer der wenigen deutschen Cross-Fahrer bei internationalen Rennen am Start war. Auf der 250-Meter langen, mit Kunstharz-beschichteten Betonbahn hier in Hamburg, hat Paul Lindenau nur wenig Konkurrenz zu fürchten. Eigentlich sogar gar keine. Kommt der einzige, ernstzunehmende Widersacher um Platz eins doch aus der eigenen Familie. Lediglich sein zwei Jahre älterer Bruder Max Lindenau liefert sich mit ihm des Öfteren heiße Duelle um den obersten Platz auf dem Podium. Ohnehin weiß Paul Lindenau nicht nur im Gelände seine hervorragenden Talente ins Spiel zu bringen. Ebenfalls auf der Straße wie auf der Bahn ist er erfolgreich. „Für mich hat alles drei einen großen Reiz. Am Ende beim einen wie dem anderen vorne zu landen, wäre natürlich das Beste“.

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Die Radrennbahn in Hamburg, wo Paul Nehring zu seinem 80. Geburtstag zusammen mit Paul Lindenau noch einmal seine Runden drehte, erlebt seit kurzer Zeit wieder einen merklichen Aufschwung. Inmitten der Hansestadt gelegen, bietet diese sich förmlich den Radsport-Begeisterten als Anziehungs- und Treffpunkt an. Die Bahn wurde am 14. April 1961 eröffnet. Als eine der wenigen Radrennbahnen in Deutschland und sogar die einzige im Norden, trotzt sie durch das weitgespannten Zeltdach – das in den 90er Jahren errichtet wurde und eines der größten dieser Art in Europa ist - jeglichen Wetterkapriolen. Blieben in den letzten Jahren die Elite-Fahrer und Spezialisten der Bahnradsport-Szene hier weitesgehend unter sich – im Jahr 2000 und 2005 fanden auf der Bahn in der Hagenbeckstraße sogar die Deutschen Meisterschaften Bahn statt – mischen sich nun immer mehr Jedermänner und Breitensportler unter die Trainierenden und das Publikum.

Durch ins Leben gerufene Veranstaltungen wie die erfolgreichen „Bahn für Alle“-Tage, die „Sprint-Trophy“ für Jedermann oder „Hobby-Cup-Rennen“ finden immer mehr Neulinge und Interessierte den Weg ins gelblich schimmernde Beton-Oval in der Hagenbeckstraße. Wobei der Radsport Verband Hamburg die Bahn betreibt, und sich seit eineinhalb Jahren einem Team um Joerg Steffens ehrenamtlich um die Koordination des Bahnradsport und die Bahn selbst kümmert und zusammen die Veranstaltungen, Trainings- und Rennabläufe organisiert.

Viele Hamburger Vereine trainieren auf der Anlage. Von der RG Hamburg, RG Uni Hamburg bis zum Trackteam FC St.Pauli. An den regelmäßigen Renntagen nehmen auch Fahrer aus Mecklenburg Vorpommern, Niedersachsen, Bremen und Schleswig Holstein teil.

Neben unserem Anliegen, den Bahnradsport für eine breitere Masse interessant zu machen und ihnen durch Workshops und gezieltes Anfänger Training einen Einstieg zu ermöglichen – ist es dem Verband wichtig, für den Nachwuchs beste Trainings, und Wettkampf – Bedingungen zu schaffen.

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„Der Bahnradsport hat eine attraktive Aussenwirkung. Denn dieser ist faszinierend schnell , taktisch geprägt und kraftvoll. Mitunter auch elegant. Alles wodurch Radsport zu begeistern weiß. Und das ohne notwendige Straßensperrungen oder gefährdenden Straßenverkehr.“ Kann sich auch Paul Nehring immer wieder für seine Leidenschaft begeistern.

Leider merkt man der Bahn – ganz im Gegensatz zu Paul – das Alter deutlich an. Bekam diese schon mal den einen oder anderen Schönheitsanstrich, schlagen einem beim Befahren der Steilkurven schon mal die Unebenheiten nahezu den Lenker aus der Hand. Auch hierüber kann jemand wie Paul Nehring nur lächeln: „Als Cross-Spezialist ist so jemand wie Paul Lindenau hier doch dann genau richtig“.

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