CLASSICISSIMA

CLASSICISSIMA

A RIDE INTO SPRING

London. Ich sitze am Flughafen Heathrow, mein Flieger hat Verspätung. Langsam werde ich unruhig. Meine Gedanken kreisen nur um eines: Mailand – Sanremo. Mit über 290 km das längste Eintagesrennen, einer der größten Klassiker im Radsport – la Classicissima. Als Radfahrer denkt man nicht an die „ so-und-so-vielen Orte, die man in seinem Leben gesehen haben muss“ – man denkt an Pässe und Routen, die Herausforderung und Mythos sind.

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„Dai, lo facciamo“ – die Idee entstand zusammen mit Maloja. Der Auftrag für die Pushbiker: mit dem Rennrad 300 km nach Sanremo, immer der GPS Route folgend. Das Datum stand fest, morgen geht es los, meine Vorfreude wächst, aber ich bin noch weit weg vom Start. Endlich Boarding, Landung in München, packen, im Sonnenuntergang schießen wir Richtung Norditalien. Es reicht für eine Hand voll Schlafstunden in einem kleinen Mailänder Hotel, bis ein früher Wecker namens Michael Müller und ein echt italienisches Frühstück (doppelter Espresso und ein Cornetto) uns in die Realität zurückholen. „Heute will ich euch leiden sehen“. Der Satz fällt ein paar Mal von Michael dem Fotografen, als wir die Räder bei Traumwetter ausladen und für die „lockere Trainingsrunde“ durch Bella Italia fertig machen. Freude… Es ist nur ein kleiner Scherz von vielen in den ersten Stunden an diesem Tag. Was sich beim Flaschen füllen und dem Auswählen der PowerBar Riegel noch so lustig anhörte, ändert sich auf einen Schlag, als wir den geschützten Hinterhof des Hotels verlassen und in den Mailänder Berufsverkehr aufbrechen. Die Geräuschkulisse der Stadt, Trambahnschienen, Pflastersteine und der vibrierende Stadtverkehr begleiteten uns aus Milano raus, vorbei an den Gebrauchtwagenhändlern der Vorstädte (bei denen ich gerne das ein oder andere Mal angehalten hätte, aber das nur nebenbei) und rein in den Gegenwind. 150 km lang – einziger Lichtblick dabei die Autos, die uns etwas Sog in die richtige Richtung aufbauen.

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Nach gefühlten 180 km kommt mir das erste Mal der Gedanke, zu fragen „Du Leif, wie weit sind wir denn schon?“. Die Antwort war eher enttäuschend, „123 km“ und ein 35er Schnitt – aaaaahhhh, das ist nicht mal die Hälfte unserer Strecke! Das macht den rauen Asphalt und die vielen Bruchstellen in der Teerdecke noch tiefer, als die wirklich waren. Ich muss es zugeben, in der Po Ebene mit ihren Kornfeldern und den vielen Lastwagen hatte ich einen – sagen wir mal – kleinen Hänger. Meine Führungen wurden kürzer und der SQlab-Sattel fühlte sich zwischenzeitlich nicht mehr wie meiner an. Dann ein Platten, die Frage, ob

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Als die Berge und der Passo Turchino (mit 591 Metern der höchste Punkt unserer Route) auftauchen, ist das für uns ein wichtiger Tapetenwechsel. Unsere Moral steigt gewaltig, als wir auf die kleine Passstraße abbiegen und mit "Scheibe" die Serpentinen immer wieder mal im Wiegetritt bergauf klettern. Auf einmal vergehen die Kilometer wie im Flug. Bergab lassen wir es richtig laufen, eine Wahnsinns-Abfahrt mit Blick auf die ligurische Küste. Der Anblick des Meers heißt: über die Hälfte ist geschafft.

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Natürlich hatten wir alles eingebaut, was die Laufräder so aufbieten konnten und waren in Materialfragen den Jungs der ersten Jahre des Klassikers um Welten voraus, wenn es um Kraftaufwand pro gefahrenen Kilometer ginge. Umso größeren Respekt an die Fahrer der Gründungsjahre, aber genau so den Teilnehmern und Siegern der letzten Jahre und deren Teams, die diesen Sport zu so spannenden Rennen gemacht haben und aus deutscher Sicht so erfolgreich.

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Zurück zur Straße. Wer glaubt, die Küstenstraße entlang des Meeres sei flach – mit Ausnahme von Cipressa und Poggio – hat sich sauber geschnitten. Denn es geht entweder bergauf oder entsprechend bergab. Allerdings steht der Wind an diesem Nachmittag deutlich zu unseren Gunsten und so schießen wir quasi durch die Küstenorte über (hellrote) Ampeln und unbeirrt in die vielen Kreisverkehre hinein. Unsere Begleiter im VW Bus haben Mühe, auf den weniger bewohnten Abschnitten die verlorenen Meter wieder gut zu machen; Leif und ich hingegen haben ein Grinsen im Gesicht und gut Zug auf der Kette.

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Die beiden letzten bekannten Freunde des Tages, der Cipressa und der Poggio, wie man im Radsport sagt, sind dann fast nur noch die "Kür" bei romantischer Stimmung im Zwielicht der Sonne. Als diese untergeht sind wir am Ziel: nach 318 km und einem 33er Schnitt Ankunft in Sanremo - kaputt ja, aber mit dem tollen Gefühl voller Zufriedenheit. Dieses bekannte Glücklichsein nach einer langen Fahrt im Sattel: ja, ich würde so einen Wahnsinn sofort noch einmal machen! Und jetzt raus aufs Rad und #beapushbiker.

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PS: Beim ersten Rennen von Mailand nach Sanremo am 14. April 1907 nahmen 33 Rennfahrer auf ihren Stahlrädern teil. Sie bekamen fünf italienische Lire als Aufwandentschädigung. Gewonnen hat damals der Franzose Lucien Mazan mit einem beachtlichen Schnitt von 26,6 km/h.

Bericht: Christian Grasmann | Fotos: Michael Müller

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