TIROLER WÜSTENSÖHNE

TIROLER WÜSTENSÖHNE

"Ganz im Norden von Qatar befindet sich mitten in der Wüste ein historisches Fort: Al Zubarah. Rund um die historischen
Gebäude findet jedes Jahr im Dezember die Tour of Al Zubarah statt, der kleine Bruder der Tour Qatar."

Breite, gerade Straßen mitten durch die Wüste, der Wind sprengt immer wieder das Feld auseinander. Der Sand knirscht ein wenig zwischen den Zähnen und auf der Straße muss man darauf achten, nicht in eine kleine Sanddüne zu fahren, die der Wind immer wieder auftürmt. Die Tour of Al Zubarah ist für europäische Radteams eine andere Welt, in die sie im Dezember eintauchen. Die kurzen Etappen des kleinen Bruders der Tour Qatar enden praktisch immer im Sprint eines großen Feldes, Anstiege gibt es nicht, Fluchtgruppen werden schnell gestellt. Es ist ein Rennen für Sprinter.

Young Guns

Seit zwei Jahren mit dabei ist auch ein junges Continental- Team aus Österreich – das Tirol Cycling Team. Tirol Cycling – das ist ein Projekt, das seit 2006 besteht. Junge Fahrer aus dem U23-Bereich werden dabei gefördert. Ziel ist es, möglichst viele der Fahrer in ein Pro-Team zu bekommen. Es sind junge Fahrer, die mehr wollen, die sich dem Radsport verschrieben haben und mit der Tour of Al Zubarah eine Möglichkeit haben, mitten in der Saisonvorbereitung im Dezember ein internationales Rennen zu bestreiten. Die Bicicletta da Corsa hat das junge Team in Qatar begleitet. Die Kurzbilanz: Diese Mischung aus jungen Fahrern aus Tirol, Salzburg und Oberösterreich arbeitet hart an ihren Radkarrieren, der Spaß kommt nicht zu kurz. Sie sind young Guns, die auf dem Rennrad zuhause sind. Einer von ihnen ist der Innsbrucker Martin Weiss, der seit einigen Jahren zu den besten Nachwuchssprintern Österreichs gehört. "Es gibt bessere Sprinter, aber ich bin ganz gut dabei", erzählt Martin Weiss mit einem schelmischen Lächeln. Denn in Qatar zeigt er regelmäßig, dass der Sprint genau seine Welt ist. 2013 Platz 2 im Gesamtklassement, 2014 Platz 3 – und das gegen Fahrer aus dem asiatischen und arabischen Raum, die im Dezember mitten in der Saison stehen. Den die Tour of Al Zubarah gehört zur asiatischen Serie, die meisten Rennen finden dann statt, wenn in Mitteleuropa mehr ans Ski- denn ans Radfahren gedacht wird.

Charme mit Kamel

So ernst die Rennen genommen werden, der Ausflug mitten im Dezember in die Wüste ist für die jungen Österreicher auch ein Abenteuer. Martin Weiss selbst packt meist die Tourenski für eine Woche in den Keller, holt das Rad hervor und tauscht das winterliche Kühtai gegen die Sonne der Wüste. "Als wir das erste Mal hier waren, das war abseits der Rennen wie Urlaub. Du bist kein echter Wüstensohn, wenn du nicht mindestens einmal auf einem Kamel geritten bist", lacht Martin Weiss.

Die echten Wüstensöhne sind begeistert vom Radsport, feiern die Sieger in großer Manier. "Radsport wird hier, als feine Mischung auch High-Tech und menschlicher Kraft gesehen, selten wirst du bei einer Rundfahrt so gut betreut wie hier", erklärt der Tiroler, der neben seiner Radkarriere in Innsbruck Jus studiert. Es sind aber auch die Gegensätze, welche die Tour of Al Zubarah prägen. Der Prolog findet in der Hauptstadt Qatars statt. "Da fährst du fünf, sechs Kilometer durch die Wolkenkratzer der Stadt und könntest genauso gut meinen, du bist in New york", meint Weiss.

2014 war für Weiss dabei ein besonderes Erlebnis, denn da wurde der Prolog in der "Aspire Zone" durchgeführt, die wohl beeindruckendste Sportstätte, die bisher jemals gebaut wurde.

Die restlichen Tage kämpfen die Fahrer dann in der Wüste gegen Wind und Sand und versuchen sich, für den Sprint in die richtige Position zu bringen. "Bei diesen Etappen kannst du nur als Team bestehen, Einzelkämpfer haben hier keine Chance. Es gewinnt hier jemand aus der Mannschaft, die mutig Vorstöße in günstigen Windkantensituationen sucht", erzählt der Fahrer vom Tirol Cycling Team. "Wenn bei anderen Rennen das Feld bei Anstiegen auseinanderfällt, dann ist es hier die Windkante, die die Spreu vom Weizen trennt." Die Preisverleihungen finden dann meist mitten in der Wüste statt, immer vor der Kulisse des mächtigen Forts, das Anfang des 20 Jahrhunderts errichtet wurde. Die Stadt Zubarah selbst ist seit 2008 Weltkulturerbe. Wäre da nicht das Radrennen, würde man sich wirklich in eine andere Zeit zurückversetzt fühlen. "Wenn du dann nach einer Etappe am Podium stehst, überreicht immer ein Scheich aus der Regentenfamilie die Preise. Am meisten fasziniert sind die Menschen hier von den Rennrädern. Technik scheint sie zu begeistern", erzählt Martin Weiss.

Infobox: Das Tirol Cycling Team ist ein Continental-Team mit klaren Zielen. Jährlich werden zwischen 14 und 16 Rennradfahrer aus Österreich zu einem Team geformt. Ziel ist es, jungen Talenten ab 19 Jahren den Weg zu einer Profikarriere zu ebnen. Maßgeblich unterstützt wird das Team von der österreichischen Radmarke KTM sowie der Tirol Werbung. Ein Verkaufsschlager sind die Trikots des Teams, die unter www.tirolshop.com vertrieben werden. Das Motto des Teams: Ride with passion!

Bericht von Ernst Spreng
Fotos: Tirol Cycling Team

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