RPRT US VENTURE 2012

RPRT US VENTURE 2012

Rennbericht von Hannes Baumgarten

„...go find your legs!!“ donnert es aus der Menge. Von der Straßenbeleuchtung abgesehen und dem andauernden Blitzlicht hunderter Fotographen, ist es stockfinster. 20.000 Zuschauer haben es in dieser Nacht an die 1200 Meter-Innenstadt-Strecke geschafft: Blue-Collar Workers, Studenten, junge Paare, Radsportbegeisterte. Wir sind in West Chester, Pennsylvania; es ist der 7. Juli 2012, 21:30 Uhr. 170 Mann, darunter Christian Grasmann, Hannes Baumgarten, Marcel Kalz und Robert Bengsch vom Rudy Project Racing Team, brettern mit über 50km/h im Durchschnitt durch die engen Gassen der amerikanischen Kleinstadt. Der Straßenbelag gleicht einem Schlachtfeld, aber man sieht ihn ohnehin nicht! „...go find your legs!!“ fliegt es mir schon wieder um die Ohren. Hab ich es zum zweiten Mal gehört? Der Sauerstoffmangel verbietet mir die Antwort.

01

 

Mir gelten kann dieser Aufruf, Gas zu geben, nicht, ich und unser Team liegen gut im Rennen und sind taktisch in der bestmöglichen Ausgangslage.

...und überhaupt: wir sind nicht hier, um uns anbrüllen zu lassen!

Nach 80 Minuten war das Spektakel des Iron Hill Twilight Criterium auch schon vorbei. 50 Runden à 1,2 Kilometer, jedes Mal vier Kurven, vier Antritte. Kriteriums-Spezialisten aus den gesamten Vereinigten Staaten waren angereist, die neuseeländische Nationalmannschaft war da und einige europäische Sixdays- Profis. "Da jagst du mit 600 Watt bergauf, im Antritt in die Zielgerade hinein sind es 50 mal bis zu 1000 Watt", sagt Christian Grasmann. Aber gefühlt sind es viel weniger: "Du fährst wie in Trance durch ein Spalier von voll abgehenden Zuschauern." Wir beenden das Rennen auf dem 2. und 3. Platz und übertreffen damit unsere eigenen Erwartungen bei weitem.

03

Wie aber kam es eigentlich dazu, dass sich zwei Berliner, ein Oberbayer und ein Schwabe zusammenfanden, um fern der Heimat im Umkreis der Metropole New York Radrennen zu bestreiten?

„Hannes und ich kannten die Rennszene in den USA schon lange; wir wussten ganz genau, warum es uns hierher zieht!“, schwärmt der begeisterte Grasmann. Dass die USA keine aktive Fahrradnation sind, ist bekannt und richtig; aber sie sind eine begeisterte und hoch emotionale Radrennsportnation. Baumgarten erzählt von seinem Jahr in Atlanta: „So genannte Grouprides mit über 200 hoch ambitionierten Mitstreitern, das wäre in Deutschland schlicht undenkbar, findet hier aber jede Woche mehrmals statt.“ Und weiter: „Ein Wochenende ohne Radrennen in direkter Umgebung? Auch das ist undenkbar in den Staaten!“

Die Amerikaner lieben die Show, und genau darin liegt der eigentliche Unterschied zwischen Amerika und Deutschland. Während in heimischen Gefilden Rennen und ihre Gewinner umso mehr Aufmerksamkeit bekommen, je länger, bergiger und härter die Strecken ausfallen, wollen die Zuschauer in den USA ein Fest feiern. Sie wollen Entertainment, sie wollen das Fahrerfeld nicht nur einmal vorbeifahren sehen, sondern 60 mal. Und sie wollen Weltsport. Ein Rennen muss international besetzt sein. Große Namen sollen bei der Startaufstellung aus den Lautsprechern tönen und packende Kämpfe folgen. Das Ganze muss bei Nacht stattfinden, weil es spektakulärer und atmosphärischer ist, mit reißerischen Kommentatoren und ohrenbetäubendem Rock ’n'Roll; wenn die Römer das Fahrrad gekannt hätten, sie hätten ihre Gladiatoren in eben dieser Szenerie radeln lassen.

Es sind genau diese Events, für die das Rudy Project Racing Team den langen Weg in die Staaten auf sich nahm: „Wir stehen auf Ellenbogen-Duelle, blockierende Hinterreifen in der Wertungsrunde, grölende Menschenmassen, wenn man selbst um das nackte Überleben kämpft!“

Der in Oberbayern beheimatete Rennstall war mit vier Mann nach Übersee gereist, genauer in den Nordosten, nach Pennsylvania. Ein Hauptsponsor des Teams, Fuji Bicycles, ist in Philadelphia ansässig. Außerdem stand die Einladung des Olympiasiegers und Radsport-Idols Marty Nothstein schon lange im Raum. Dieser veranstaltet in den Sommermonaten wöchentlich Omnium- Rennen auf der Bahn, bei denen die Weltelite ihre Form testet – in diesem Jahr etwa für die Olympischen Spiele in London.

004

Bahnmeeting und World of Bicycling Omnium in Trexlertown, ProAM-Kriteriem in Oxford, Melvern, Phoenixville, Pennsylvania, das Iron Hill Twilight Criterium, die alle zum so genannten Chesco Grand Prix gehören – für den das Rudy Project Racing Team dem langen Weg nach Amerika gemacht hat. In den ersten zehn Tagen sind sie - dem Jetlag zum Trotz - neun Rennen der USA Crits Championships gefahren; Für diese anfängliche (Über-) Euphorie zahlten sie ihren Preis und konnten nach einigen Tagen kaum noch auf´s Rad steigen, geschweige denn auf Weltklasse-Niveau Rennen fahren. Doch alle standen die Tournee mit Kampfgeist durch und haben bei all dem ihren Spaß am Radsport nicht verloren, sondern sogar noch intensiviert. „Wir selbst leben für das ganz große Kino, die amerikanische Kriteriumskultur. Und nebenbei lieben wir Egg & Cheese Bagels, V8 Big Blocks, NYC, oder schlicht: The American Way of Life!“ Nach viel zu kurzen 20 Tagen saßen die vier Radprofis dann schon wieder im Flieger via London zurück in die oberbayerische Heimat.

Lesen Sie die E-Paper Version

Verlosungen

Wahoo Elemnt Bolt

Speziell an leistungsorientierte Rennradfahrer und...

Northwave Extreme RR

Mit dem Extreme RR hat Northwave nicht weniger ges...

Katusha Alpecin Replica Set

Einmal fühlen wie ein Profi! Das Team Katusha Alp...

Alpen Hotel Post in Au: Rennradurlaub im Bregenzerwald

Nicht daheim und doch zu Hause – lautet das Motto ...

Biciclettakombi by Maloja

Bicicletta Trikots