Die neuen Rennen am Arlberg

Die neuen Rennen am Arlberg

Die neuen Rennen - RECHTS UND LINKS VOM ARLBERG

Es tut sich was in Tirol! Immer mehr Tourismusorte erkennen uns Rennradfahrer als gute Zielgruppe. Wir sind sauber und ordentlich, fahren auf der Straße, machen keine Almwege kaputt und verschrecken keine Wanderer. Wir geben sehr viel Geld für unser Hobby aus und stehen morgens auch bei schlechtesten Wettervorhersagen pünktlich im Startblock. Sind dann nach ein paar Stunden übelster Schinderei irgendwann im Ziel und buchen glücklich gleich für´s nächste Jahr.
Aber so leicht sind wir dann doch nicht zu kriegen! Es muß schon eine schöne Runde sein und die Bedingungen müssen passen. Wir standen beim Tannheimer Rad Marathon und dem Arlberg Giro am Start.

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Der Tannheimer Tal Rad-Marathon spricht mit seinen zwei völlig unterschiedlichen Strecken ein sehr breites Publikum an. Wir hatten uns natürlich für die große Runde angemeldet: 230km/2940Hm vom Tannheimer Tal nach Pfronten, Reutte, Warth, Lech, St. Anton, Landeck und über das Hahntennjoch und den Gaichtpaß zurück. Schließlich steht Ende August der Ötztaler an und 130km – die kleine Runde – fahren wir ja fast jeden zweiten Tag im Training. Diese Großspurigkeit endete spätestens am Rennmorgen, als wir wegen der schlechten Wetteraussichten, mit möglichen Schneefall am Hahntennjoch, kleinlaut zur Startnummernausgabe schlichen um doch bitte, ausnahmsweise und weil wir doch so nett fragen, noch zur kleinen Runde wechseln dürften. Auch hier bewiesen die Veranstalter, dass sie auf die Anliegen und Bedürfnisse der Radler eingehen und machten das Umbuchen kurzerhand möglich. Der 130km Kurs führt landschaftlich sehr reizvoll durch das schöne Lechtal. Ein gutes Stück davon auf kleinen Radwegen, die sich als etwas wellig und kurvig herausstellen sollten. Dies machte das Rennen richtig schnell, denn diese „klassikerähnlichen“ Bedingungen stachelten einige Fahrer geradezu an, immer wieder Attacken zu setzen, die das große Feld bald auseinanderrissen. Mit dem Gaichtpaß, circa 15 km vor dem Ziel, wartete kurz vor Schluss noch DIE Herausforderung der Strecke auf uns. Die durchschnittlich 5% auf circa 10km Länge sind in der Gruppe schön zu fahren und so störte auch der dann einsetzende Regen auf den letzten Kilometer zum Ziel nicht mehr.

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Zwei Wochen später standen wir auf der anderen Seite des Arlberg schon wieder im Startblock. Beim Arlberg Giro blieb uns die Entscheidung, welche Runde wir fahren, allerdings erspart. Es gibt nur eine Strecke: 145km/2400Hm – sie führt von St. Anton über den Arlbergpaß und Bludenz ins Montafon und dann über die Silvretta Hochalpenstraße nach Galtür, Ischgl, Kappl zurück nach St. Anton. Natürlich war auch wieder Regen und Kälte angesagt und mittlerweile können einem die Veranstalter ja schon richtig leidtun. Die organisieren Monatelang einen schönen Event und dann kommt wieder eines dieser Tiefdruckgebiete und vermiest alles.

Die St. Antoner hatten aber Glück im Unglück: Es tat sich just zum Start ein „Regenfenster“ auf und wir konnten zumindest trocken aus dem Startblock rollen. Ist man mal losgefahren und halbwegs auf Betriebstemperatur ist Regen nicht mehr so schlimm, aber wenn man morgens aus dem Hotel kommt und schon auf dem Weg zum Start nass wird – das geht gar nicht! Der Regen kam auch beim Arlberggiro. Und die Betriebstemperatur erreicht man nach ca. 2 km, denn vom Start geht es auf der Dorfstraße ca. 900m Tal auswärts, dann rechst und rein in den Arlbergpaß. Guten Morgen Beine, aufwachen! Hell wach muß man auch auf der Highspeed Abfahrt nach Wald sein, auf der der Tacho schon mal gerne die 90 km/h überschreitet. Eigentlich geht es ab dem Arlbergpaß bis zur Einfahrt ins Montafon nur bergab, der Tacho ist eigentlich nie unter 40 km/h - es rollt. Im großen Gruppetto rollen, trotz stetiger Steigung, auch die ersten 25km im Montafon bis zur Mautstation der Silvretta Hochalpenstraße. Dann wird´s hart: 14km, 1000hm, 30 Kehren, strömender Regen. Für die „Traumstraße der Alpen“ hat keiner Augen. Gott sei Dank lichten sich auch hier die Wolken kurz vor der Bieler Höhe und die Abfahrt Richtung Galtür kann sicher und schnell in Angriff genommen werden. Schnell bilden sich wieder einzelne Gruppen, die über Ischgl stetig bergab Richtung Inntal fliegen. Die letzten 20km mit 450hm bringen alle an Ihr Limit, unsere Gruppe arbeitet gut – die einen führen am Berg, die anderen wenn´s wieder flach wird. Aber jeder geht ans Limit, das Ziel rückt näher, die Geschwindigkeit steigt.

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Und obwohl jeder total erledigt ist und wir seit fast 60km zusammenfahren, sprinten wir verbissen die Dorfstraße hoch, schließlich geht es um die Plätze 358 bis 369. Totale Erschöpfung, totales Glück, extremer Zusammenhalt, verbitterter Kampf, Abklatschen, Zusammensacken. Große Gefühle! Die Helfer im Ziel verteilen Getränke und Wärmefolien, alle strahlen und buchen sofort für nächstes Jahr!

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Bilder:
Tannheim – Alar Jost
Arlberg: www.arlberg-giro.com, Photographer: Patrick Säly

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