ZYPERN RUNDFAHRT

ZYPERN RUNDFAHRT

Team corratec beim 2. Internationalen Cycling Festival of North Cyprus.

TEXT: KUNO MESSMANN & MARTIN REISNER
FOTO: KUNO MESSMANN

Die nüchternen Eckdaten: 15. bis 20. Februar 2017, Lefkosa – Nikosia. 4 Etappen, knapp 600 Kilometer, 18 Teams, 169 Teilnehmer aus 11 Nationen. Zwischen den Profi-Teams wie Astana Continental und Biemme Cycling aus der Ukraine, Torku Spor (Türkei), Willier Selle Italia (Italien) fand sich auch das Jedermann-Team corratec. Mit Johannes Berndl, Bart Bury, Wolfgang Hofmann, Michael Markolf, Robert Müller, Stefan Oettl und Martin Reisner waren sechs Fahrer mit dabei, die sich dieser außergewöhnlichen sportlichen Herausforderung stellten und so die Rennradsaison 2017 eröffneten. Gleich mit einem Etappenrennen und einem guten internationalen Starterfeld. Als Begleitpersonal immer mitten im Geschehen ich selbst…

Mitte Februar traf man sich zum gemeinsamen Flug von München nach Lancara auf Zypern – aus den verschneiten Alpen hinein in den Frühling. Hier startete unser Team corratec Abenteuer jetzt wirklich, wir waren voll drin. Was hatte sich das Team vorgenommen? Wir wollten die Rundfahrt als ein "Renn-Trainings-Camp" nutzen. Alle waren bereit, viel dazuzulernen. Zugleich wollten die Fahrer aber natürlich auch versuchen, motiviert und clever mögliche Chancen innerhalb des Teams für sich zu nutzen. Von Beginn an präsentierte sich dabei das gesamte, sehr harmonische Team mit entschlossenem Spirit, guten Beinen und taktischem Teamwork. Alle waren bereit, die Herausforderung sportlich zu stemmen, auch wenn noch keiner recht wusste, was uns letztlich erwarten sollte. Das änderte sich spätestens bei der ersten Etappe…

Die erste und zugleich mit 181 Kilometern längste Etappe, wurden die ersten beiden Rennstunden bei unerwartet kalten Temperaturen und etwas Regen von ständigem harten Windkantenfahren geprägt. Was das bedeutet: Nach fünf Kilometern neutraler Fahrt explodierte das Rennen im wahrsten Sinn des Wortes. Insbesondere die Pro Teams suchten bei dem ständigen und heftigen Wind von schräg vorne sofort, konsequent erste Entscheidungen herbeizuführen. Wie hart diese Aktion gestaltet wurde zeigte, dass bereits nach ca. fünf Kilometern über 20 Fahrer aus dem Feld und kurz darauf auch aus der nachfolgenden Wagenkolonne fielen. Im Team corratec hatten wir das alles erwartet und uns darauf mental wie taktisch eingestellt. Aber dass die ersten 20 Kilometer so heftig wurden, erwischte uns dann doch eiskalt. Jeder musste gleich an seine Grenzen gehen, mit ständigen Pulswerten über 170 bpm.

Robert erwischte dann doch die Führungsgruppe, zwei weitere kämpften sich in die erste "Chasing Group", wie Radio Tour in die Teamfahrzeuge meldete. In der Spitzengruppe tat sich beim Beschleunigen aus einem Kreisverkehr fünf Fahrer vor ihm eine tückische Lücke auf. Aus eigener Kraft konnte er die Lücke aber nicht mehr schließen: Vorne wurde dies einerseits vehement verhindert und in der jetzt ersten Verfolgergruppe bemühten sich – gerade im Finale – nur noch wenige um das Tempo.

Mit maximalem Effort schafften die weiteren corratec Fahrer dann doch noch den Sprung in die zweite Verfolgergruppe und konnten sich dort festbeißen. Wer sich nach dieser heftigen ersten Phase nicht in diesen Gruppen befand, fuhr dann fast nur noch gegen das Ausscheiden aus der Rundfahrt…

Am Ende der Etappe und nach einem richtig harten Stück Arbeit kamen alle Team corratec Fahrer mit ihrem CCT Evos trotz der Vehemenz dieses ersten Teilstücks mit zwei Sprint- und einer Bergwertung heil mit ihren Gruppen ins Ziel. Das gesamte Team hatte seine Lektionen gelernt. Mit den Jedermann-Rennen, die wir in den letzten Jahren gefahren waren, hatte das nicht sehr viel gemeinsam. "Meine erste Lektion: im Feld geht es nicht immer nett zu," brachte es Martin auf den Punkt. Zukünftig ließen wir uns nicht mehr so einfach überraschen. Mit diesem festen Vorsatz ging es in die nächste Etappe.

Zuvor war aber noch der Ausfall von Johannes zu beklagen, der gesundheitlich angeschlagen war und nicht mehr weiterfahren konnte. Er wollte aber unbedingt bleiben, und so wechselte er zum Staff und begleitete das Team die nächsten Tage von ungewohnter Stelle aus: "Ich bin erstmals im Begleitfahrzeug mitgefahren: ein einmaliges Erlebnis, das Rennen aus einer ganz anderen Sicht zu erleben. Hinten in der Kolonne der Teamfahrzeuge wird ein eigenes "Rennen" ausgefahren. Ein Team zu betreuen hat mir sehr viel Spaß gemacht: eine neue spannende und lehrreiche Erfahrung für mich!"

Gut regeneriert, motiviert und wild entschlossen, vorne im Feld mitzufahren, ging das Team corratec Etappe 2 an: 161 Kilometer mit einem längeren, ruppigen Anstieg. Das Wetter war jetzt frühlingshaft und der Wind "normal". Es sollte allen gelingen, sich deutlich weiter vorne im Feld zu behaupten, obwohl es kurz nach dem Start an der Spitze des Feldes zu einem heftigen Massensturz kam. Die meisten Fahrer konnten nach dem ersten Schock, verschiedenen Schürfwunden und nach behobenen Materialdefekten wieder ihr Rennen aufnehmen. Für vier endete aber leider hier das Rennen jäh im Krankenwagen - und etwas später im Krankenhaus. Leider erwischte es auch den Team corratec Leader Bart Bury. Er konnte den knapp vor ihm Gestürzten nicht mehr ausweichen und stürzte dabei so unglücklich, dass er sich das Schlüsselbein brach – ein herber Rückschlag für Bury und für das gesamte Team.

Trotzdem hielt man bis Kilometer 120 gut an der Spitze mit, trotz einiger Tempoverschärfungen. Dann ging es zur Bergwertung auf ca. 700 Meter, mehrere kleine Gruppen bildeten sich. Der längere Anstieg tat echt weh, hat aber riesig Spaß gemacht. Robert und Stefan konnten erfreulicherweise weiter vorne mitfahren. Weitere Selektionen bei den schnellen Abfahrten: Wer hier nicht immer dranbleiben konnte, verpasste leicht die schnellen Gruppen für die letzten 25 Kilometer. Robert war aber noch immer an der Spitze des Feldes, von dem sich nur zwei Bergfahrer von Willier Selle Italia etwas absetzen konnten, die es dann auch alleine, vor den Verfolgern mit dem Gelben Trikot von Team Torku, ins Ziel schafften. Im Feld wurde knapp hinter den beiden Ausreißern um den verbliebenen Podest Platz gesprintet. Hier sicherte sich Robert stark und gekonnt Platz 3 hinter dem Gesamtführenden und dem Träger des Sprintertrikots, was Platz 5 im Etappenklassement bedeutete: stark und ein Wahnsinnserlebnis!

Nach seiner Rückkehr aus dem Krankenhaus motivierte Bart das gesamte Team noch überzeugend, dass auch auf den nächsten, weiter sehr hart ausgefahrenen Etappen das Team corratec trotz seines Ausfalls gut bestehen könnte.

Das landschaftliche Highlight des Rennens war die dritte Etappe: stark an Mallorca erinnernd waren die ersten Kilometer diesmal einigermaßen entschärft. Das Tempo zog dann bei der Abfahrt in den sehr schönen Küstenort Girne wieder an. Durch die engen Gassen war höchste Konzentration geboten, ehe es zur Bergwertung des Tages ging. Mit vollem Einsatz konnten sich drei unserer Fahrer gut im langgezogenen Hauptfeld behaupten, was sie auch über die nächsten hügeligen 90 Kilometer schafften. Nur einer der Teamkollegen war in der ersten Verfolgergruppe, die aber auch nur kurz hinter dem Spitzenfeld ins Ziel kam. Auf den letzten fünf Kilometern des Teilstücks wurde es wieder recht hektisch, einem Sturz im Feld konnten aber unsere Teamfahrer glücklicherweise ausweichen. Erneut bewies Robert im Zielsprint seine Stärke und belegte Etappenplatz 7.

Schließlich die letzte Etappe: ein Kriterium über 50 Kilometer mit 45 Runden à 1,5 Kilometer. Mit Robert, Stefan und Martin standen noch drei von uns am Start, Michael musste leider kurz vor dem Start abreisen, um pünktlich am Montag in der Arbeit zu erscheinen. Es gab nicht alle 10 Kilometer Zwischensprints, alles wurde beim letzten Sprint entschieden. Immer wieder konnten sich kleine Gruppen absetzen – nie ohne Robert. Zum Schluss befanden sich er und Stefan noch in der Spitze, wo dann im Massensprint die letzte Etappe entschieden wurde. "Auch ein Kriterium mit 45 Runden à 1,5 Kilometer kann einem Bergfahrer wie mir richtig Spaß machen," stellte Stefan nach dem Rennen fest.

Im Finale hatte das Team Torku das Rennen wieder gekonnt "in die Hand genommen" und überzeugend gewonnen. Robert fuhr erneut ganz vorne im Massensprint und holte den Etappenplatz 11. Er war klarerweise superhappy: "Der Ötztalsieger Bernd Hornetz hat mich gefragt, ob ich für ihn bei der Zypernrundfahrt als Ersatz fahren würde. Ich bin sehr dankbar, dass das mit dem Team Corratec geklappt hat und ich für das Rennen voll ausgerüstet wurde. Es war ein echt besonderer Event für mich: Platz 27, 5, 7 und 11 bei den 4 Etappen der Zypernrundfahrt waren nicht so schlecht, auch wenn ich mit etwas Rennglück ein Podium oder einen einfahren hätte können."

Alles in allem war das Internationalen Cycling Festival of North Cyprus für unser Team ein irres Erlebnis. Die Veranstalter hatten bei ständiger hoher Medienpräsenz – es gab beispielsweise durchgehende Live-Übertagung der Rundfahrt - bei den täglichen Einschreibungen zu den Etappen und den Teampräsentationen das Team corratec immer wieder positiv herausgestellt. Anscheinend waren die Organisatoren von unserem Auftreten vor Ort echt überzeugt, nicht nur von unserem sportlich erfolgreichen Abschneiden.

Gesund müde unternahmen wir nach Ende des Rennens am Montag noch eine abschließende längere Zypern-Trainingsrunde, um die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen. Die Einladung zum International Cycling Festival of North Cyprus 2018 war zum Schluss noch eine überraschende Belohnung: Ein schöner Abschluss und gleichzeitig ein schöner Ausblick, der das Team corratec motiviert und zuversichtlich in die Saison 2017 blicken lässt. Michaels Fazit gilt wohl für uns alle: "Im Team Corratec fühlte ich mich gleich sehr wohl und freue mich auf die nächsten Herausforderungen in den nächsten Rennen!"

INFOBOX

Die Etappen:
tourofcyprus.org
www.kuzeykibristuru.org

1. Etappe 16.02.2017: 182 km mit 2 größeren Anstiegen, 1 Berg- und 2 Sprintwertungen
2. Etappe 17.02.2017: 167 km mit 2 größeren Anstiegen, 1 Berg- und 2 Sprintwertungen
3. Etappe 18.02.2017: 131 km mit 1 großen Anstieg, 1 Berg- und 2 Sprintwertungen
4. Etappe 19.02.2017: 50 km Cirterium mit 45 Runden a 1,5 km

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