L‘Étape du Tour

L‘Étape du Tour

„Unterwegs auf geschichtsträchtigen Straßen“

Wie schaut man am besten die Live Übertragung der Tour? Sicher läuft bei uns eingefleischten Fans der großen Schleife in den letzten Wochen immer der Livestream der Sportschau auf den Rechnern im Büro. Aber Sportschau und dann noch ohne Ton und nebenbei am Arbeitsplatz wird dem Rennen doch nicht wirklich gerecht. Eine Spur besser ist natürlich der große Fernseher mit Ton und Eurosport. Die nächste Steigerung ist, seine eigene Radrunde so zu planen, dass man rechtzeitig für die letzten 30 Kilometer vor dem Fernseher sitzt – verschwitzt und noch im Trikot. Die Königsklasse, wie man eine Etappe der Tour schauen kann ist aber sicher folgende: Man fährt die Etappe selbst und schaut dann im Fernsehen den Profis zu, wie sie dieselben Straßen, dieselben Berge und dieselbe Ziellinie befahren. Möglich macht diesen Traum die L’Étape du Tour!

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Die L’Étape du Tour ist ein Hobbyrennen, das von der ASO – dem Veranstalter der Tour de France – seit 1993 ausgerichtet wird. Sie findet immer auf einer offiziellen Tour Etappe ein paar Tage vor den Profis statt. Heuer hatten sich die Veranstalter die Königsetappe der heurigen Tour von Megève nach Morzine ausgesucht. Für die Profis die vorletzte Etappe der Tour 2016 am 23. Juli über 146,5 km und die vier klangvollen Alpenpässe Col des Aravis, Col de la Colombière, Col de la Ramaz und den Col de Joux Plane, bevor es dann am nächsten Tag zum Ausrollen und Schaufahren auf den Champs-Élysées ging. Unsere L’Étape fand ein paar Tage früher, am 10. Juli statt.

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Wir hatten uns schon ein paar Tage früher auf den weiten Weg nach Frankreich gemacht, um neben dem Rennen auch noch die eine oder andere Tour und den einen oder anderen Pass fahren zu können. Denn beim Blick in die Landkarte springen einem die weltbekannten Namen nur so entgegen: Col De l’Iseran, Col de la Madeleine, Col de la Croix de Fer, L’Alpe d’Huez, Col Du Petit Saint-Bernard. Namen, die jedes Rennradfahrer Herz höherschlagen lassen und die wir – und diese große Schande gestehen wir kleinlaut ein – bis jetzt nur aus Büchern, Zeitschriften und den Übertragungen der Tour im Fernsehen kannten. Für uns Italo-Racer also ein völlig neues Land und völlig neues Rennrad Terrain, das uns aber schon bei der Ankunft überwältigt und in seinen Bann zieht: Die Tour und der Radsport ist allgegenwärtig!

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Die zu der Zeit parallel stattfindende Fußball Europameisterschaft scheint hier niemand zu interessieren. Die Ortschaften, Kreisverkehre und die Schaufenster in den Fußgängerzonen strahlen gelb, weiß-rot gepunktet, grün und weiß. Aus Hecken, Büschen und Bäumen werden – mal mehr mal weniger deutlich erkennbare – Radfahrer geschnitten. Das ganze Land ist dem Velo- Rausch erlegen. Fußball findet nur am Rande statt. Na ja, nicht ganz am Rande, denn als wir das Halbfinal Spiel Deutschland gegen Frankreich am Donnerstagabend in einer Bar in der Fußgängerzone von Megève anschauen, sind wir die einzigen zwei Deutschen unter den hunderten Gästen. Die Bars und die Kaffees sind sehr gut gefüllt und alle drängen sich um die Bildschirme – anfänglich wird unsere Begeisterung für deutsche Angriffe noch argwöhnisch betrachtet, nachdem Frankreich aber in Führung geht und schließlich den Sack mit dem 2:0 zu macht, schlägt der Missmut in Mitgefühl über: „Ihr seid zumindest Weltmeister und Ihr seid doch zum Radfahren hier und nicht wegen dem Fußball!“ Uns bleibt nichts anderes übrig, als den Damen am Nachbartisch zu gratulieren und wieder das zu tun, wegen dem wir gekommen sind: Radfahren.

Und dazu lädt die Gegend um Megève geradezu ein! Unsere erste Tour starten wir auch direkt in Megève und biegen nach einigen Kilometern auf die „La Route des Grand Alpes“ Richtung Beaufort ab. Schon der erste Anstieg zum Col des Saisies begrüßt uns mit gutem Belag, einer moderaten Steigung und sehr wenig Verkehr, was unsere Begeisterung für die Gegend von Kilometer zu Kilometer steigen lässt. Eigentlich können wir es gar nicht glauben – so schöne Berge, so gute Straßen, so rücksichtsvolle Autofahrer, fast keine Motorräder und dann auch noch die herrlichen Panoramen und die Aussichten auf den alles überragenden Mont Blanc. Wir haben uns verliebt und rollen glückselig den zweiten Anstieg zum Cormet de Roselend hoch. Hier präsentiert sich uns ein wunderschöner Bergsee, der in eine atemberaubende Bergkulisse gebettet ist. Am Pass steht ein Obststand, der zu unserer großen Freude auch kaltes Bier und leckere belegte Semmeln verkauft. Und das noch zu einem Preis, der, wenn man schon mal in der Schweiz beim Radfahren war – geradezu lächerlich klein erscheint. Frisch gestärkt nehmen wir also die Abfahrt Richtung Bourg-St.Maurice und die Kilometer Richtung Albertville in Angriff. Leider hat sich der Wind über den Tag in Starkböen verwandelt und bläst uns unbarmherzig von vorne ins Gesicht.

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Die Kilometer werden zäh, die Wechsel immer schneller und die Cola-Stopps häufiger. Gott sei Dank schickt uns der „Radfahr-Gott“ einen einheimischen Mitstreiter, der zwar kein Wort Englisch oder Deutsch kann, aber dafür stark im Wind ist. Er eskortiert uns bis zur Abzweigung in Ugine, an der wir dann die böse Überraschung erleben: Die Straße ist wegen Bauarbeiten gesperrt, die Umleitung bedeutet noch mal 1000hm und 17km Umweg. Für uns an dem Tag kein daran denken! Also klettern wir über die Absperrung und wollen unser Glück versuchen. Das Endet aber nach ein paar Kilometern in Form eines ziemlich unwirsch auftretenden Bauarbeiters, der nur „ferme, ferme“ für uns übrighat. Gott sei Dank lässt sich sein Capo beim Blick auf unsere Radcomputer erweichen und uns passieren. So erreichen wir nach 172km wieder unser Hotel in Megève und probieren glücklich unsere Sitz-Dusch-Badewanne aus. Für den zweiten Tag hatten wir uns eine Runde über den Col de la Croix de Fer und den Col du Galibier ausgesucht. Aber schon am ersten 26km Anstieg sprechen meine Beine eine deutliche Sprache: Heute geht kein Ritt über 180km und knapp 4000hm. Also Handys raus, Google Maps öffnen und eine Alternative erarbeiten. Je mehr man in die Karte zoomt, desto mehr kleine Straßen und Abkürzungsmöglichkeiten tun sich auf. Auf Tipp eines anderen Radfahrers nehmen wir Kurs auf die berühmten Serpentinen von Montvernier – die Straße schlängelt sich mit 20 Kurven über nur 300hm. Auch hier ist die Straße noch vom Vorjahr mit „Yates you can“ bemalt und die Bilder von der Etappe drängen sich in die Köpfe. Historischer Grund!

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Den Samstag vor dem Rennen gehen wir ruhig an. Startnummern in der Expo- Area holen, das Auto in der Nähe von Morzine platzieren und zurückradeln. Und als Motivation für den nächsten Tag natürlich die Tour im Fernsehen anschauen!

Sonntag ist der große Tag. 14.000 Radfahrer sind gemeldet. Die Startaufstellung zieht sich mit 14 Startblöcken durch den ganzen Ort. Bis alle über die Startlinie sind, dauert es knapp eineinhalb Stunden. Die Organisatoren und die knapp 900 Helfer machen einen unglaublichen Job – alles funktioniert perfekt! Das Herz schlägt ja beim Überfahrern eine Startlinie immer schneller, überfährt man aber eine, über die in ein paar Tagen auch die Profis der Tour rolpaginalen werden, schlägt es fast bis zum Hals. Und dieses Hochgefühl bleibt: die Straßen sind über und über mit den Namen der Fahrer bepinselt. In den Ortschaften stehen hunderte Zuschauer, Fahnen wehen und Wimpel hängen über der Straße.

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Großes Kino! Das Starterfeld ist bunt gemischt: 28% Engländer, die wegen ihrer dick aufgetragenen Sonnencreme und den teils extravaganten Trikot-Hosenkombinationen etwas herausstechen und später fluchend am Straßenrand stehen und ihre heiß gebremsten und geplatzten Schläuche wechseln. Ansonsten ein wilder Mix aus allen Nationen und allen Arten von Radfahrern. Auch in unserer Gruppe, die sich fürs Rennen noch auf vier Radfahrer vergrößert hat, sind die Ambitionen ganz unterschiedlich: Martin will attackieren, Ingo und ich einfach genießen und Thorsten „mal schauen wie´s geht“. Die Stimmung ist unglaublich, die Strecke ein Traum und die ersten beiden Ansteige, wie auch schon an den Tagen davor, eher moderat. Es rollt! Auf der Traverse zwischen dem Col de la Colombière und den Col de Joux Plane – der Col de la Ramaz ist wegen Steinschlaggefahr für das Hobbyrennen durch die Organisatoren aus Sicherheitsgründen gesperrt worden – bildet sich eine super Gruppe und wir fliegen im Belgischen Kreisel auf den härtesten Anstieg zu: Der Col de Joux Plane mit 11,6km Anstieg und durchschnittlich 8,5% gehört zur „Hors Catégorie (HC)“, die höchste Einstufung bei der Tour de France.

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Und das zurecht! Ohne Absatz, ,,ohne Flachstück“ geht es brutal nach oben. Immer mehr Radfahrer (Engländer?) schieben oder rasten im Schatten der Bäume. Die Sonne brennt und die Gartenschläuche der Anwohner sind die einzige und sehr willkommene Abkühlung. Jeder leidet und das verbindet. Langsam kennt man auch die Trikots und Gesichter der anderen, wird angefeuert und feuert selbst an. Ein letztes Mal die Flaschen aufgefüllt, ein letzter Gegenanstieg und dann geht es schon in rasender Fahrt dem Zielort entgegen. Der Teufelslappen, die verwinkelte Anfahrt und dann ist sie schon da: Die Ziellinie der L’Étape du Tour und der 20. Tour de France Etappe. Leider können wir unsere Zeiten nicht direkt mit denen der Profis vergleichen, da die einen Berg und gute 20km mehr fahren mussten, aber die Durchgangszeiten auf den Anstiegen sprechen eine sehr deutliche Sprache und zeigt wieder mal den Unterschied zwischen Hobbyklasse und Topfahrern.

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Als wir uns nach dem Rennen auf den langen Heimweg machen, sind wir uns ausnahmslos einig: Ein geiles Rennen, eine super Atmosphäre, sensationelle Strecken und Berge, sehr wenig und wenn dann sehr rücksichtsvoller Verkehr und eine unglaublich Stimmung „pro Radsport“. Wir werden auf alle Fälle wiederkommen, denn es gibt noch so viele Pässe die danach schreien, gefahren zu werden!

INFOBOX

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LÈtape du Tour

Megève ist eine französische Gemeinde mit 3313 Einwohnern im Département Haute-Savoie in der Region Auvergne-Rhône-Alpes und im Winter eines der mondänsten Wintersportort Frankreichs. Megeve liegt auf auf 1027 Metern über Seehöhe.

Anreise:
Mit dem Flugzeug nach Genf (90km Entfernung) oder zum Alpinflughafen Megeve (5km).
Mit dem Auto aus Deutschland über die Schweiz und den Genfer See.
Ab München: 660km
Ab Stuttgart: 590km
Ab Berlin: 1200km
Infos und Unterkünfte www.megeve.com

LÈtape du Tour
Die L'Etape du Tour ist ein Jedermann Rennen auf einer offiziellen Tour de France Etappe. Die LÈtape fand 1993 zum ersten Mal statt und wird von der Amaury Sport Organisation (ASO) in Verbindung mit dem Vélo Magazine organisiert. Das Rennen findet immer während der Tour de France statt.
Bei der Anmeldung muss man schnell sein, denn meist sind die Startplätze schnell vergeben.
www.letapedutour.com

 

FOTOS: ASO/Jacvan/M.Molle & BDC TEXT: Ralf Jirgens

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