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pagina #8

www.biciclettadacorsa.de

NOBILITARE

Das Cervelo Rca ist ein Mythos.

Es ist der Heilige Gral unter den

Rennrädern. Sündhaft teuer, ex-

trem exklusiv und auf ein paar

hundert Rahmen pro Jahr limi-

tiert. Das erste Modell kam 2014

auf den Markt und einer der 325

Rahmen kostete Sage und

Schreibe EUR 8.800. Das aktuelle

Modell kostet – wegen dem Dol-

larkurs – sogar EUR 9.500. Da

stellt sich natürlich die Frage, ob

diese Preise gerechtfertigt sind

und ob man ein Rad, das laut

Hersteller schon 2014 das „ulti-

mative High-Performance Bike“

war, noch verbessern kann.

Als Ryder Hesjedal 2012 auf dem

Vor-Vorgänger des aktuellen Mo-

dels zu seinem Giro D‘Italia Sieg

fuhr, ging schon ein Raunen

durch die Presse. Das R5ca war

der leichteste Carbonrahmen

der Welt. Wobei die Buchstaben

„ca“ für das hauseigene For-

schungs- und Entwicklungslabor

in Kalifornien stand. Dort, im

Herzen der U.S. Militär- und

Flugzeugindustrie, hat Cervelo

ein R&D

Forschungslabor gegründet in

dem mehr Ingenieure arbeiten,

als Radmodelle entwickelt wer-

den. Als 2013 die ersten Rahmen-

kits

ausgeliefert

wurden

überschlug sich die internatio-

nale Presse: er gewann unter an-

derem die Awards "Eurobike

Gold", "JEC Innovation" und

"Core77 Design", sowie den

"Most Wanted"-Award von Bike

Radar. Das komplette Set aus

Rahmen, Gabel und Steuersatz

wog nur 1.062 Gramm! Und

das bei Steifigkeits- und Aero-

werten, die auch alles bisher

gewesene in den Schatten

stellten.

Das 2014er Rca ist leicht, steif,

unglaublich schön, lässt sich

aber trotzdem auch auf langen

Einheiten gut fahren. Das Bike

wirkt in allen Bereichen schnell

und sicher, aber nie nervös

oder gar anstrengend. Und es

hat den wohl höchsten „Neid-

faktor im Peloton“ den wir

jemals bei einem Rad hatten.

Was kann daran also noch bes-

ser werden? Laut den Cervelo

Ingenieuren umfassen die

Optimierungen beim 2015er

eine Verstärkung der Ober- und

Unterrohre, den Einsatz von

konisch zulaufenden Kohlefa-

serlagen an Rohren und den

selektiven Einsatz von Kohlefa-

serlagen mit einem ultrahohen

Elastizitätsmodul im Sitzrohr.

Die wichtigste Neuerung be-

trifft allerdings die Gabel: War

sie bei dem 2014er Modell noch

zugekauft, wird die Gabel des

aktuellen Modells auch von

Cervelo entwickelt und herge-

stellt. Das führt zu höherer

Steifigkeit und noch besserer

Einbindung

„Gesamtkunst-

werk“ Rca.

Das Bike strahlt in jeder weise

Überlegenheit aus. Bei unserer

Testfahrt auf der Nordschleife

anlässlich des 24h Rad am Ring

stellte es dies eindrucksvoll

unter Beweis: Absolut ruhig mit

96km/h durch die Fuchsröhre,

leichtfüßig auf den 18% hoch

zur Hohen Acht, präzise durch

die Kurven an der Ex-Mühle und

mit unglaublichen Vortrieb auf

der elend langen Döttinger

Höhe. Und kaum stellt man das

Rad im Fahrerlager ab, bildet

sich eine Traube an „Schaulus-

tigen“ – Rennradherz was willst

Du mehr!

Cerveleo Rca reloaded

COLONNA:

Frauen aufs Rad!

Ein Gespräch mit Daniela Pintarelli

Foto: Johann Schilling

Foto: Anton Brey

Daniela ist eine der schnellsten

Frauen der österreichischen

Rennradszene und 4-fach Ge-

winnerin Ihres Heimrennens

dem ARLBERG Giros. Sie lebt

mit Andi Traxl zusammen und

ist mit ihm schon zweimal die

Tour-Transalp gefahren.

Daniela, welchen Stellenwert

hat Sport in deinem Leben?

Daniela: Sport hat in meinem

Leben einen sehr großen Stel-

lenwert. Mit 16 habe ich ange-

fangen, Rennrad zu fahren und

diese Sportart von Jahr zu Jahr

immer intensiver betrieben. Ich

habe mich auch für das Studium

der Sportwissenschaft entschie-

den. Ein Leben ohne Sport könn-

te ich mir nicht vorstellen.

Was war ausschlaggebend dafür,

dass du das Rennrad für dich

entdeckt hast?

Daniela: Ich war vorher viel mit

dem Mountainbike unterwegs.

Wir hatten damals Bekannte

aus Innsbruck, die in einem

Rennradteam waren. Sie haben

mir den Tipp gegeben, das Renn-

radfahren mal auszuprobieren.

Ab der ersten Ausfahrt war mir

klar, dass ich die richtige Sportart

für mich entdeckt habe. Für

mich war es immer wichtig, in

der Natur zu sein. Beim Rad-

fahren kann man aus eigener

Kraft sehr lange Strecken be-

wältigen und das gefällt mir so

gut daran. Es ist nie langweilig

und es gibt immer etwas Neues

zu sehen. Das Gefühl, nach einer

kräftezehrenden Auffahrt einer

Passstraße, den Gipfel aus eige-

ner Kraft erreicht zu haben, ist

unbeschreiblich für mich. Das

ist für mich eine besondere Le-

bensqualität.

Den Titel „Die schnellste Dame“

hörst du des Öfteren. Wie

kommst du in dieser männer-

dominierten Szene zurecht und

mit welchen Vorurteilen musst

du dich auseinandersetzen?

Daniela: Ich bekomme von mei-

nem Umfeld ein sehr positives

Feedback. Wir haben doch einige

Trainingskollegen, mit denen

ich immer wieder gemeinsame

Ausfahrten mache oder mit de-

nen ich gemeinsam zu den Trai-

ningslagern fahre. Sie respek-

tieren es voll und ganz, dass

ich als Frau bei den Rennen

mitfahre. Ich habe in dieser Hin-

sicht eigentlich ganz wenige ne-

gative Erfahrungen gemacht.

Denjenigen, die Vorurteile ha-

ben, antworte ich sportlich.

Dann hören sie auch gleich da-

mit auf.

Die Frauenquote unter den Renn-

radlern ist eher klein. Welche

Tipps hast du auf Lager, die das

weibliche Geschlecht für diesen

Sport motivieren könnten?

Daniela: Für all jene, die gerne

in der Natur sind und auch Fit-

ness machen, ist das Radfahren

die ideale Sportart. Es gibt keine

andere Ausdauersportart, bei

der man so viele Kilometer und

Höhenmeter in der Natur fahren

kann. Ich würde allen Frauen

raten, diesen Sport mal auszu-

probieren und nach den ersten

Trainingseinheiten bin ich mir

sicher, dass die Begeisterung für

diesen Sport da ist.

Die Leidenschaft für diese Sport-

art teilst du ja auch mit deinen

Lebensgefährten Andy Traxl. Wie

viel „Rennradliebe“ verträgt eine

Beziehung? Welche Rolle spielt

der Sport in eurem Alltag?

Daniela: Ich bin mit dem Andy

zweimal die Tour Transalp ge-

fahren. Das heißt, sieben Tage

am Stück im Rennteam – ich

glaube, es gibt keinen besseren

Beziehungstest, als so eine He-

rausforderung, bei der man alle

Höhen und Tiefen gemeinsam

miteinander durchsteht und wir

hatten da niemals einen Streit.

Ich glaube, dass war eine wich-

tige Prüfung für alles weitere.

Wie hältst du dich in der kalten

Jahreszeit fit, oder gibt es keine

Rennradpause in deinem Jah-

resplan?

Daniela: Wir legen ganz bewusst

von circa Ende September bis

Anfang Oktober eine Rennrad-

pause ein. In dieser Zeit gehen

wir wandern, laufen oder fahren

mit dem Mountainbike. Und

gerade auch der Winter ist bei

uns ja doch sehr lang und in-

tensiv und wir nutzen die kalte

Jahreszeit, für das Schifahren

und Langlaufen. So hat man im

Frühjahr wieder die Lust und

die Energie, um sich den ganzen

Sommer auf das Rennrad zu

konzentrieren.