Seite 21 - Bicicletta da Corsa Magazin

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und es war damals verpönt, Profi zu werden – es gab ja kein
deutsches Profiteam und keinen Weg zurück zu den Amateu-
ren, wenn es schief ging.
Aber der Ärger und die Verlockung war zu groß: 1977 fuhr er
seine erste Tour de France und konnte dort auch gleich eine
Etappe gewinnen. Bei der Vuelta im gleichen Jahr schaffte er
es mit Platz drei aufs Podium. Und er fuhr ja für ein spani-
sches Team – was für ein Einstieg! Das Leben als Radprofi in
den 70ern war aber alles andere als glamourös: Das Medien-
interesse in Deutschland war gering. Genau wie der Verdienst
– schlappe 1500,- Mark an Prämie nach seiner ersten Tour. Die
Belastungen waren aber vergleichbar mit heute. Und im Tri-
kot steckten Mars und Nuts Riegel, vor dem Schlafengehen
wurde noch eine Schüssel Müsli verputzt um die 10.000 Kalo-
rien voll zu kriegen und neben dem Bett lagen immer Bana-
nen für den Hunger in der Nacht.
Bei seiner zweiten Teilnahme – im Trikot der Raleigh Mann-
schaft - belegte er im Endklassement den 35. Rang, kam in
der Punktewertung sogar auf Platz sechs, trug vorübergehend
das Gelbe Trikot und gewann zwei Etappen. Insgesamt war
er Fünfmal bei der Tour, ehe er 1983 seine sportliche Kariere
zum ersten Mal beendete und Bundestrainer wurde. Da die
Erfolge der Radamateure bei WM und den Olympischen Spie-
len jedoch ausblieben, wurde der Vertrag, der noch auf Probe
war, nicht über die 2 Jahre hinaus verlängert. Er selbst fühlte
sich aber noch so fit und schnell, dass er sich 1985 zum Rück-
tritt vom Rücktritt entschied und nach nur 6 Wochen inten-
siven Trainings zweiter bei der Deutschen Querfeldein
Meisterschaft und zwei Wochen später, bei der Heim-WM in
München, Weltmeister im Querfeldein wurde. Diesen Erfolg
konnte er 1987 noch einmal wiederholen, bevor er 1988, nach
fast 25 Jahren aktiven Radsport, seine Karriere zum zweiten
Mal beendete.
Dem Radsport blieb er natürlich treu. Seine Frau führte da-
mals schon die Geschäfte der Firma THALER SPORTS, die den
Vertrieb der Adidas Radschuhe in Deutschland ausführte.
Klaus Peter stieg, nachdem die Anfragen auf Autogrammstun-
den immer weniger wurden, voll in die Geschäfte mit ein und
hatte damit seine große Leidenschaft Radsport zum dritten
Mal zu seinem Beruf gemacht: Rennfahrer, Bundestrainer,
Radsport Großhändler.
Eine weitere Karriere neben dem Radsport gab es im Motor-
sport, seiner alten Liebe. Von 1995 bis 2006 nahm er regelmä-
ßig an den 10 Läufen des Langstreckenpokals Nürburgring auf
einem werksunterstützten Opel Kadett, später Astra und
Omega, teil. Ein Gesamtsieg und 3 Vizemeister stehen zu
Buche, dazu eine Vielzahl von Klassensiegen und ein 4. und
5. Platz beim 24 Stunden Rennen. Dabei geht es richtig schnell
zur Sache.
Anfang Juli sind er und seine Frau aus der Firma ausgeschie-
den. Sohn und Tochter sind weiter in der THALER SPORTS
tätig. Von „Ruhestand“ darf mal allerdings nicht sprechen: 3-
bis 4-mal pro Woche ist er immer noch auf dem Rad unter-
wegs: „Es macht mir immer noch Spaß, an meine Leistungs-
grenzen zu gehen und sich in dem einen oder anderen
Radmarathons mit anderen zu messen“. Aber nur noch „Just
for fun“.