Seite 28 - Bicicletta da Corsa Magazin No.2

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D
er Italiener Mauro Sannino ist das, was man ehr-
fürchtig eine „Rahmenbaulegende“ nennt. Geboren
und aufgewachsen in Trivero, nahe Vercelli , bekam
er das Radsportgen schon in jungen Jahren von seinem Groß-
vater übertragen. In der kleinen Werkstatt des Opas durfte
Mauro immer mithelfen. Stahlrohre abmessen, anzeichnen
und ablängen. Hier war es auch, wo Mauro das erste Mal ein
Schweißgerät bedienen durfte und seine ersten Rennradrah-
men schweißen durfte.
Natürlich legte der Opa Wert darauf, dass der junge Enkel
nicht nur die Theorie beherrscht und schickte ihn zum örtli-
chen Radsportverein. Es waren die späten 50ger Jahre, die
Etappen bei den Rennen noch sehr lang und so kann sich
auch Mauro an die Anfänge seiner aktiven Rennradfahrer-
Zeit damals nur noch mit den Worten „Es ging los mit ex-
trem viel Trainingseinheiten“ erinnern. Er fuhr für das Team
TRIPLEX aus Ponzone Vercelli Italian. In Italien war Radfah-
ren damals schon Volkssport. Vier Jahre lang ist er in einer
Klasse unter den Top Pros gefahren. Leider hat es nie dazu
gereicht ein bedeutendes, wichtiges Rennen zu gewinnen.
Nach ein paar Jahren erkannte er, dass er den Sprung zu den
Profis nicht schaffen würde und sattelte um. Er machte sich
auf, um alles über Rahmenbau zu lernen. Er begann eine
Lehre in Turin, arbeitete danach für und mit den namhaften
italienischen Rahmenbauern, lernte in 10 Jahren alles über
Geometrieen, Material und Verarbeitung.
1979 eröffnete er seine eigene Werkstatt. Seine Werkstatt
war in der Nähe von Velodromo in Turin. Die Marke
„Sannino“ war geboren. Es war ein kleine aber feine Rah-
menschmiede. 1500 Rahmen konnten Mauro und sein Team
damals pro Jahr herstellen. Markenzeichen der „Sannino“
Räder waren steilere Geometrien. Er entwarf Rennbikes mit
75° Sitzrohrwinkel und sogar 77° Steuerrohrwinkel und
wurde damit sogar Ausrüster der Russischen Radnational-
manschaft. Leider wurden die Olympischen Spiele 1980 in
Moskau von den USA boykottiert, so dass er und seine Marke
nicht die große Bühnen bekamen.
Es waren die Zeiten wilder Rahmenkonstruktionen. „Stahl
ist ein so wunderbarer Werkstoff! Er läßt sich leicht formen
und ermöglicht viele Experimente“. Experimente, die aus
heutiger Sicht aberwitzig aussehen, aber damals State of the
Art waren. Vorbauten, die am unteren Ende des Steuerrohrs
verbaut waren, Rahmen in X-Form gefertigt aus dünnen
Stahlkabeln und Positionen die längst verboten sind.
Doch dann kam Aluminuim. Und die Ära, in der Sannino und
seine Kollegen im Bau von Stahlrahmen ein sicheres Aus-
kommen fanden, waren vorbei. Mit dem Boom der Alu-Rah-
men in den 1990er Jahren begann der langsame aber stetige
Abstieg seiner Turiner Rahmenbauschmiede. Das kümmerte
Mauro – ganz Italiener – aber nur wenig. Das Geld reichte
HELDEN
DES
RADSPORTS
MAURO
SANNINO