Seite 26 - Bicicletta da Corsa Magazin No.2

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Finger auf die Uhr deutend, wieder auf die
Räder, und dann macht Flo ernst. Er gehört
zu den starken Fahrern, die sich nun länger
vorne im Wind aufhalten, um die anderen
zu schonen. Die Strategie geht auf, und
nach einer Tiefphase machen wir endlich
wieder durchgehende Strecken. Die Beine
des Gruppettos halten sich erstaunlich gut,
jedoch führt das Cola-Müsliriegel-Bana-
nen-Chips-Red Bull-Gemisch im Magen bei
vielen zu leichter Übelkeit. Die chaotische
Verkehrsführung bei Trento bringt wie
immer Verwirrung. Nach einem kurzen Ab-
stecher auf die Autobahn finden wir Gott
sei Dank den Etschtal Radweg und lassen
die Prinzhauptstadt hinter uns.
Hinter Mori, vorbei an Rovereto nimmt der
Verkehr deutlich ab. Vorne an der Spitze,
das sichere Ziel vor Augen, kämpfen zwei
Fahrer sogar um den Ortsschildsprint.
Kopfschütteln in den hinteren Reihen. Aber
so sind sie eben, die „jungen Wilden“.
Längst haben wir die 300-Kilometer-Marke
passiert. Die Stimmung ist euphorisch, der
Lago nun zum Greifen nah. Seit längerem
fahren wir nun auch wieder Doppelreihe
und sprechen mit dem Nebenmann die
Speisekarte durch. Auch der mobile Hähn-
chenstand in Loppio, sonst immer einen
kurzen Halt wert, kann uns nicht mehr
stoppen. Ein letztes Mal geht es den Berg
hinauf nach Nago. Schmerzen in den Bei-
nen verspürt keiner mehr. Das Kribbeln
geht durch den ganzen Körper und pusht
uns nochmal ganz nach oben. Und dann….
Der Blick auf den See entschädigt für alle
Qualen. Gemeinsam, Seite an Seite, rollen
wir auf die Terrasse eines Restaurants.
Goldgelb stehen nach wenigen Minuten
sechs Bier vor uns, und wir stoßen auf die
Gemeinschaftsleistung an, die uns hierher
gebracht hat. Geschafft! Jeder Einzelne ist
mitverantwortlich für das Gelingen dieses
Projekts. Um uns herum schütteln die
Leute nur unverständlich den Kopf. Wie
leicht wird uns allen die Zunge, als jemand
fragt: „Seid ihr auch einen Transalp gefah-
ren? Und von wo kommt ihr denn heute
her?“ „Aus München!“ antworten wir uni-
sono.
Fotos: Roland Grill
Tour-Tipps / Essen & Trinken
Tour-Vorbereitung:
• Eine Woche zuvor viel Kohlenhydrate zu
sich nehmen, um die Glykogen Speicher
im Muskel und Leber voll aufzufüllen. Im
Vorfeld viel trinken. Magnesium und Na-
trium dürfen verstärkt genommen wer-
den, da diese über Schweiß und Urin
ausgeschieden werden.
Während der Tour
• Lange Fahrten werden meist bei niedriger
Herzfrequenz durchgeführt, deswegen
kann man auch Ernährung zuführen, die
länger braucht, um in Energie umgewan-
delt zu werden. Energie, die langsam ab-
gegeben wird: Powergel, ca. 20 Minuten,
Banane, ca. 30 Minuten. Powerbar-Riegel
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