Seite 24 - Bicicletta da Corsa Magazin No.2

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mertag hin. Die Höhenmeter treiben den Schweiß auf die
Stirn. Immer mehr Kleidungsstücke verschwinden in den
kleinen Taschen. Die Kilometer in Richtung österreichische
Grenze bei Scharnitz sind sehr schnell, der Wechsel an der
Spitze funktioniert tadellos und dennoch sind sich unser
„Präsi“ Ralf und „Capitano“ Tom einig: „runter vom Gas“.
An der Legalität vorbei, schießen wir dann der Geschwin-
digkeitsbegrenzung zum Trotz über den Zirler Berg hinun-
ter ins Inntal. Die 16 Prozent Gefälle vergehen wie im freien
Fall. Unten angekommen werden Spitzengeschwindigkei-
ten bis über 90 km/h auf den
Tachos ausgewertet.
Bella Italia – der Grenze entge-
gen Geplagt von den Autos
rund um Innsbruck erreichen
wir die alte Brennerstraße. Die
Sonne steht nun fast senk-
recht – und die Temperatur bei
30 Grad. Bis nach Italien müs-
sen noch immer 43 Kilometer
und 800 Höhenmeter zurück-
gelegt werden. Nur gut, dass die exakten Daten in jenem
Moment keiner von uns realisiert. Aktiv arbeitet die
Gruppe daran, dass jeder Spaß hat. Manche lassen sich zu-
rückfallen, manche fahren dann gar ein Stück zurück, um
andere zu motivieren. In Steinach überfallen wir einen Su-
permarkt, decken uns mit Getränken ein und erfrischen
uns an einem Brunnen im Schatten. Jetzt schon saure Gur-
ken und Würstl? Neben Powerriegeln eine gelungene Ab-
wechslung für den Gaumen. Doch leider drängt der
Zeitplan. Nach 170 Kilometern haben wir den höchsten
Punkt erreicht. „Bella Italia, wir kommen!“ Mit diesem
Ausruf legt auch das Thermometer noch mal einen drauf.
Knapp 38 Grad heizen schön auf. Nur der Helm schützt den
Kopf vor einem Sonnenstich. Um unseren schon leicht an-
geschlagenen Körpern eine Pause zu gönnen, setzten wir
uns in Sterzing in ein Restaurant und legen erst mal die
Füße hoch. BeimWarten auf das Essen fallen einigen schon
die Augen zu, während andere sich auf die langen Beine
der Südtirolerinnen konzentrieren. Die Pasta zum Mittag-
essen liegt zwar schwer im Magen, doch bei solch einer
Etappe spricht nichts gegen eine vernünftige Mahlzeit.
Zum einen peppt es natürlich den eher eintönigen Riegel-
Speiseplan auf, zum anderen erreicht der Körper durch die
konstante Belastung keine Belastungsspitzen, die zu über-
mäßigen Problemen mit der Verwertung führen würden.
Bis die Energie im Muskel ankommt, vergehen zwar fast
drei Stunden – aber wir haben
ja auch noch gute sechs Stun-
den vor uns. Ich strauchle
beim Aufstehen ein wenig,
weil mein Kreislauf ganz
unten ist; auch beim Rest des
Gruppettos ist die Belastung
spürbar. Einen unserer Mann-
schaft müssen wir vom stillen
Örtchen evakuieren – „der war
doch tatsächlich eingeschla-
fen“, erzählt Matze. Doch nach seinem kurzen „Powernap“
ist auch Tom wieder bereit für die Fahrt durchs Etschtal.
Coca Cola Intravenös
Die vielen Wellen und Rampen ermüden auf dem Weg
nach Bozen. Das ist kaum vorstellbar, wenn man gemüt-
lich im Auto auf der Brennerautobahn nach Süden fährt.
Von nun an arbeitet sich der Kopf in kleinen Zielen voran.
Brixen - Bozen – Trento – Mori … das bedeutet nochmal die
Arschbacken zusammenkneifen. Auch ich bin bei diesem
Gedanken kurz eingenickt, und wir stoppen kurz an einem
Kiosk am Etschtal-Radwanderweg. Matze würde sich die
Cola am liebsten intravenös verabreichen lassen, Tom nagt
an einer Currywurst, die wir ihm zur Motivation unter die
Nase gelegt haben. Präsident Ralf scheucht uns mit dem
Bella Italia -
der Grenze entgegen