Seite 16 - Bicicletta da Corsa Magazin No.2

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Flecken Schnee steht, und ein kiesiger Parkplatz mit eine
paar italienischen Kleinwagen drauf. Wir verlagern unse-
ren ersten Photospot etwas Talwärts auf ein schönes Stück
mit Blick auf die schneebedeckten Dolomiten im Hinter-
grund, bauen alles auf und: warten. Zuerst kommt ein klei-
ner Fiat, mit zwei gemütlichen Italienern, die die
Markierungen an den Straßenschildern anbringen. Dann
die Ersten Radfahrer und auch vereinzelte Zuschauer. Das
RAI live überträgt, wir können schon den Hubschrauber
hören, die ersten Polizeimotorräder und „Automotivo Offi-
ziale“ kommen vorbeigeschossen. Leider hat sich das Wet-
ter verschlechtert, es regnet bei 4 Grad, der schöne
Hintergrund hat sich in den Wolken versteckt. Peter und
ich sind uns einig, bei so einem Wetter Rennrad zu fahren
ist die Höchststrafe. Als das Peleton das erste Mal an die-
sem Tag an uns vorbeikommt, kann man genau das auch
in einigen Gesichtern der Fahrer lesen. Ein Glück, dass es
nach dem Passo nur kurz bergab geht und schnell der
nächste Anstieg Richtung Ziel in S.Orsolo Terme kommt.
Neben mir klickt die Kamera, kurze Zeit ist es wie im Fern-
sehen: die Ausreißer Gruppe, das Hauptfeld, Nachzügler,
die Teamautos mit den Rädern auf dem Dach unzählige
Motorräder, Roller und Polizia-Autos, der Hubschrauber in
der Luft. Großes Kino! Doch genauso schnell wie der Tross
gekommen ist, ist auch alles schnell wieder vorbei. Das
letzte Auto, die Straße wieder frei, ein kleiner italienischer
Wagen mit zwei gemütlichen älteren Italienern, die die
Wegmarkierungen wieder abmachen. Es bleibt eine nasse
Straße irgendwo hinter Trento.
Für uns ist aber Eile geboten: Die Fahrer machen eine kurze
Schleife und kommen uns im Zielort wieder entgegen. Also
rein in den Bus, und ab nach S.Orsolo Terme. Hier ist or-
dentlich was los – eine Tribüne, viel Zuschauer, Ordner und
die coole, schnittige italienische Polizei. Es scheint das
ganze Dorf auf den Beinen zu sein, die Italiener sind ein-
fach Radverrückt und hier beim Giro del Trentino kommt
man den Stars noch richtig nahe. Und das Feld ist sehr gut
besetzte: Ivan Basso, Michele Scarponi, Alessandor Balan
und Roman Kreuziger holen sich hier den letzten Schliff
für die erste dreiwöchige Rundfahrt des Jahres. Auch wir
sind verwundert wie locker es kurz nach dem Ziel abgeht.
Die Fahrer müssen 30m nach der Ziellinie scharf abbrem-
sen um nicht in das Gewusel aus Ordnern, Fans und UCI-
Kontrolleuren zu krachen. Am Straßenrand stehen die
Betreuer der Teams mit Getränken und Schokolade und an-
deren Snacks. 100m weiter parken die riesigen Teambusse
am Straßenrand. Keiner der Fahrer hält sich lang auf. Eine
Dose Cola, runter vom Rad, rein in den Bus und erst mal
raus aus den nassen Klamotten. Aus dem Bus von BMC Ra-
cing Team und Aqua & Sapone rinnt sehr schnell das
Duschwasser über die Straße, die Motoren laufen und so-
bald der letzte Fahrer im Ziel ist geht es ab Richtung Team-
hotel. Enrico, der Teammanager von Team NetApp
telefoniert schon mit der Pressedame in Deutschland und
gibt Ergebnisse und den Verlauf der Etappe durch. ‚Kommt
einfach zu uns ins Teamhotel, da können wir reden‘ ruft
er aus dem schon anfahrenden Auto. Als wir etwa 20min
nach der Zielankunft am Ziel vorbeigehen, ist schon der
große LKW auf den letzten 1000m und lädt die Absper-
rungsgitter wieder ein, die Banner sind schon teilweise
wieder eingerollt und die Motorradstaffel der Polizia ist
auch am Aufbrechen. Unglaublich wie schnell und profes-
sionell, aber auch erschreckend unaufgeregt das abgewi-
ckelt wird.
Leider kennt unser VW-Navi die Straße des Hotels in Levico
Terme nicht, in dem NetApp untergebracht ist. Zum Glück
sind dort auch noch Aqua & Sapone und Androni – Vene-
zuela untergebracht und wir brauchen nur einem der bun-
ten Autos zu folgen. Die Teambusse stehen am