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Inzwischen gibt es die L’Eroica auch als Profi Rennen. An-
fangs noch am Samstag vor der Jedermann Veranstaltung
hat man es vor einigen Jahren ins Frühjahr vorverlegt.
Damit ist die Eroica die einzige Jedermann Veranstaltung,
die zum UCI Rennen wurde. Sonst ist es umgekehrt. Und
auch beim Giro wird seit einigen Jahren eine Etappe auf
Teilen der Strecke gefahren. Ins Leben gerufen wurde die
Eroica Ende der 90er, weil
immer mehr der Strade Bian-
che, die weißen Schotterstras-
sen des Chianti, zugeteert
wurden. Sie sind Teil der Kul-
turlandschaft,
manchmal
schon von den Römern ange-
legt und damit wichtig für den
Charakter des Herzens der
Toskana.
Wir bekommen mit jedem ge-
fahrenen Kilometer mehr und
mehr Respekt vor den Rennfahrern aus der Generation
eines Gino Bartali oder Fausto Coppi. Zu ihrer Zeit waren
die meisten Alpenpässe noch nicht geteert und wir dürfen
schnuppern daran, wie sie sich geschunden haben über
einen Tourmalet auf Schotter. Mit Übersetzungen, so hart,
dass ein Fahrradhändler heute sie erst bestellen müsste.
Mit Bremsen, gegen die eine moderne Rennradbremse ein
Anker ist. Tretlager- und Lenkkopfsteifigkeit hat sie nicht
sonderlich interessiert und wenn der Rahmen ab 60 Stun-
denkilometern zu flattern begann, hat man eben das Knie
ans Oberrohr gedrückt.
Die L’Eroica schubst uns zurück in ihre Zeit und lehrt uns
Demut. Aber gleichzeitig sind wir dankbar hier zu sein. Wir
fahren zwischen alten Italienern, deren Beine so aussehen
wie unsere, als wir noch aktiv waren. Ihre Arme und Beine
sind sonnenverbrannt und wenn das Trikot ein wenig
hochrutscht, sind sie darunter so weiß wie ein Profi. Und
das mit fast 80 Jahren! Gott sei Dank ist das hier kein Ren-
nen. Sie reden lächelnd auf
uns ein und erzählen, wäh-
rend wir an der nächsten
Schotterrampe schon aus dem
letzten Loch pfeifen. Wir sind
Teil der großen Rennradfami-
lie, ganz selbstverständlich
und ohne abschätzende Sei-
tenblicke. Sonst guckt man zu-
erst auf den Rahmen, dann auf
die Beine und dann ins Ge-
sicht, schätzt ab, wie jemand
auf dem Rad sitzt und was er wohl drauf hat. Hier ernten
unsere Räder auch neugierige Blicke, aber unsere alten
Masis und Alans werden mit einem „Bella Machina“ geehrt
und plötzlich klopft uns ein Wildfremder auf die Schulter
und ruft uns auf italienisch zu wie schön der Tag, die Eroica,
der Radsport und damit das Leben ist. Wie recht er damit
hat. Die Eroica führt uns zurück an die Ursprünge des Renn-
radsports und lässt uns unseren Sport in einem ganz neuen
Licht sehen. Uns geht es nicht mehr nur um Herzfrequenz,
Pedaldruck und Durchschnittsgeschwindigkeit. Wir fahren
nicht einfach durch die Toskana, sondern tauchen ein in
die unglaubliche Landschaft.
... und wenn der Rahmen
ab 60 Stundenkilometern
zu flattern begann,
hat man eben das Knie
ans Oberrohr gedrückt.
vocabolario
Sa lve
Servu s
Destra!
na ch rechts
Si nistra!
na ch li nks
Va i va i / Ava nti
schne ller
Ma cchi na!
Achtu ng Auto!
Qu e be lla ma cchi na
Schones Fa hrrad
(immer ein guter Gesprachseinstieg u nter Radlern)
Come va?
Wie gehts?
(je na ch Tonfa ll: geht's di r gena u so dreckig wi r mi r)
A dove va?
Wohi n fa hrst du?
(ja na ch Tonfa ll: fa hr mi r nicht nochma l ne We lle)
Mi pia ce il pa esaggio
Mi r ge fa llt die La ndschaft
Bu on Tempo / Be l Tempo schones Wetter
(nicht gutes Tempo!!)
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